Aus Toilettenpapier-Liebe wird Nachhaltigkeit

Das australische Unternehmen Who Gives A Crap produziert Produkte zum "Mist wegmachen" aus Bambus und recyceltem Papier. Obendrauf spendet Who Gives A Crap jedes Jahr die Hälfte des Gewinns für den Bau von Toiletten und die Verbesserung der sanitären Einrichtungen in Entwicklungsländern.

14.06.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 2 Likes
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Das Toilettenpapier von „Who Gives A Crap“ besteht zu 100 Prozent aus Bambus. Foto: Who Gives A Crap

Wir alle müssen auf die Toilette gehen. Jeden Tag. Mehrmals. Aber wussten Sie, dass zwei Milliarden Menschen gar keinen Zugang zu einer Toilette haben? 40 Prozent der Weltbevölkerung haben nicht die Möglichkeit, sich täglich auf eine Keramikschüssel zu setzen und müssen ihre kleinen und großen Geschäfte an anderen Orten verrichten. Das ist problematisch, da Krankheiten das Resultat einer schlechten Sanitär- und Hygieneversorgung sind. „Wir fanden das ziemlich beschissen“, sagen Simon, Jehan und Danny von „Who Gives A Crap“.

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Jehan, Simon und Danny von Who Gives A Crap. Foto: Who Gives A Crap

„Who Gives A Crap“ (zu Deutsch: „Wen kümmert’s“) macht deshalb etwas anders. Und „etwas“ sind in diesem Fall vor allem Toilettenpapier, Taschen- und Küchentücher sowie Putzlappen – eben alles, um „crap“ (zu Deutsch: Mist) richtig zu entfernen. Das Besondere: Das australische Unternehmen nutzt zur Herstellung von Toilettenpapier, Taschen- und Küchentüchern Bambus und auch Zuckerrohr, für die Putzlappen zertifizierte Zellulose und wiederverwendete Baumwolle. „Bäume töten, Wälder zerstören, Ökosysteme ruinieren, nur um sich den Hintern abzuwischen? Das ergibt für uns keinen Sinn. Deshalb ist es uns so wichtig, nachhaltige Materialien wie recyceltes Papier oder Bambus für unser Toilettenpapier zu verwenden“, sagt Who Gives A Crap.

Super-Nonfood Bambus

Und da ist Bambus neben recycelten Materialien der richtige Rohstoff-Partner. Bambus ist ein schnell wachsender Rohstoff (liv.biz hat bereits berichtet). So wächst Bambus in etwa drei bis fünf Jahren vollständig nach, Bäume brauchen zehn bis 40 Jahre. Bambus kann dadurch häufiger geerntet werden, laut Who Gives A Crap werden für die Herstellung ihres Bambus-Toilettenpapiers fast 90 Prozent weniger Land pro fertigem Blatt benötigt. Zu weiteren positiven Eigenschaften des Super-Nonfoods gibt Who Gives A Crap eine äußerst ehrliche Stellungnahme auf der Website ab: „Manche Leute behaupten, Bambus produziere mehr Sauerstoff, entferne Giftstoffe und benötige weniger Chemikalien oder Düngemittel. Aber ehrlich gesagt, gibt es nicht viele Forschungsergebnisse, die das belegen, so dass es schwer ist, das mit Sicherheit zu sagen.“

Der Bambus für die Who-Gives-A-Crap- Produkte wird in der Region Sichuan in China angebaut. Denn Bambus wächst nicht in allen Klimazonen, weswegen er aus anderen Ländern bezogen wird. Jehan, Danny und Simon sind hier sehr um lokale Produktion und alternative Fasern bemüht. Doch bis ihre Suche Erfolg hat, werden die Produkte in Sichuan produziert. Dort hat jedes Dorf seine eigene Bambusgenossenschaft. Nach der Ernte wird der Bambus zerkleinert und an die örtlichen Zellstofffabriken geliefert.

Nachhaltigkeit gibt es nicht umsonst

Auch in Sachen Kosten gibt es eine ehrliche und realistische Sicht auf die Dinge. 24 Rollen des Bambus-Toilettenpapier kosten 34 Euro – das sind circa 1,42 Euro pro Rolle. Die Kosten für ein Produkt hängen von verschiedenen Faktoren ab und nur einer davon ist der Produktionsprozess. Und so erklärt Who Gives A Crap: „Eine Sache, die man wissen sollte, ist, dass die meisten Bambusfaserpreise an die Kosten für Zellstoff angepasst sind, so dass sie sich mit den Marktschwankungen mitbewegen, auch wenn die Erntekosten unterschiedlich sind. Willkommen in der irrationalen Wirtschaft!“

Deshalb sollte man bei Klopapier den Preis pro Blatt vergleichen. Eine Rolle des Bambus-Toilettenpapiers von Who Gives A Crap hat 370 Blätter und ist dreilagig – laut Who Gives A Crap ist die Anzahl der Blätter doppelt so viel wie bei einer normalen Rolle. Kurzer Vergleich: Das Toilettenpapier der dm-Eigenmarke „Sanft&Sicher“ ist dreilagig und hat 200 Blatt pro Rolle – stimmt also fast. 20 Rollen des Sanft&Sicher-Toilettenpapiers kosten 6,75 Euro, pro Rolle sind wir hier also bei 0,33 Euro. Die doppelte Menge würde dann also etwa 0,66 Euro kosten, pro Blatt wären das 0,00165 Euro. Bei Who Gives a Crap kostet ein Blatt demnach 0,00384 Euro. Teurer ist das nachhaltige Toilettenpapier aus Bambus somit im Vergleich schon – pro Rolle und Blatt. Who Gives A Crap dazu: „Natürlich gibt es auch preiswertere Alternativen, aber die bieten vielleicht keine kostenlose Lieferung nach Hause, keine plastikfreie Verpackung und ermöglichen denjenigen, die es brauchen, den Zugang zu Toiletten.“

Toilettenpapier mit Sinn

Stimmt. Denn Who Gives A Crap hat eine Mission: 50 Prozent des Gewinns spendet Who Gives A Crap jedes Jahr für den Bau von Toiletten und die Verbesserung der sanitären Einrichtungen in Entwicklungsländern. Bisher hat das Unternehmen 10,8 Millionen Australische Dollar gespendet. „Wir sind so verliebt in Toilettenpapier! Warum? Weil wir durch Klopapier etwas in der Welt bewirken können“, sagt Who Gives A Crap dazu.

In Zukunft hat Who Gives A Crap noch einige Ideen in der Pipeline, um diesen Prozess weiter voranzutreiben. „Es gibt eine Menge Ideen, die auf dem Rücksitz darauf warten, verwirklicht zu werden. Wir spenden jedes Jahr die Hälfte unseres Gewinns, um sicherzustellen, dass jeder Mensch bis 2050 Zugang zu sauberem Wasser und einer Toilette hat“, sagen Jehan, Simon und Danny. liv.biz dankt Who Gives A Crap, die ein eher weniger kommuniziertes Thema endlich auf den Tisch gebracht haben.

Übrigens: Pandas haben keinen Nachteil durch die Bambusernte. Denn: Für das Toilettenpapier von Who Gives A Crap wird beispielsweise die Bambusart Neosinocalamus affinis verwendet. Diese fressen die Pandas nicht, sie bevorzugen eher Fargesia spathacea Franch.

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