Brauchen wir Druck beim Einkaufen?

Dieses Mal bei "Geschichten aus dem Einzelhandel": Manchen Menschen dauert es einfach zu lange an der Kasse. Für diese gibt es zwei Optionen: bimmeln oder brüllen. Beide Optionen erzeugen Druck, den keiner beim Einkaufen braucht.

Eine Meinung von Julia-Marie Schüßler

21.05.2022 0 Kommentare 3 Likes
Menschen stehen in einer Schlange beim Einkaufen.

Menschen stehen in einer Schlange beim Einkaufen. Foto: John Cameron – unsplash.com

In manchen Geschäften des Einzelhandels hängt in der Nähe der Kasse ein Seil mit Griff von der Decke. Was das ist? Das Fragen sich des Öfteren auch zahlreiche Kunden, insbesondere Kinder. Während Erwachsene die Chance haben noch weiter nach oben zu schauen und auf dem Schild die Funktion des mysteriösen Fundstückes abzulesen, können Kinder das oft nicht. Also testen sie es aus und ziehen dran. Es bimmelt.

Warum bimmelt es? Es bimmelt, weil das Seil mit Griff eine Kundenklingel ist. Sie soll betätigt werden, wenn der Kunde sich das Öffnen einer zweiten Kasse wünscht – also die Schlange vor der Kasse zu lang ist. Nur dieses Empfinden ist sehr subjektiv. Während für den einen Kunden zehn weitere zu viel sind, reichen anderen schon drei. Denn warten will keiner gerne und manche wollen das eben weniger als andere.

Alle geben ihr Bestes

Aus meiner Zeit an der Kasse weiß ich: Dieses Gebimmel kann die Filial-Mitarbeiter ordentlich unter Druck setzen. Denn es bedeutet im Zweifel: Man kassiert zu langsam oder man hat nicht vor dem Kunden gesehen, dass es zu voll wird und selbst die Öffnung einer weiteren Kasse angefordert. Schlechter Service also. Das Bimmeln hört man durch den gesamten Laden bis in den Lagerbereich. Alle Kunden wissen es, alle Mitarbeiter wissen es und wenn die Chefin oder der Chef im Dienst ist, weiß die oder der es auch. Druck. Und im Zweifel hat ein Kind aus Neugier geklingelt oder ein Kunde hatte eine äußerst geringe Geduldsspanne. Die Kassierleistung hat damit gar nichts zu tun, gut ankommen tut es aber vielleicht trotzdem nicht.

Fakt ist: Kassiererinnen und Kassierer können meistens sehr gut selbst einschätzen, wann es einfach zu voll wird und sie dem Ansturm selbst nicht mehr Herr werden können. Dafür haben sie eine eigene Klingel in Kassennähe. Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter noch nicht geklingelt hat, kann das zwei Gründe haben: Zum einen könnte das subjektive Empfinden von Fülle falsch liegen und zum anderen ist gerade einfach kein weiteres Personal da. Man kann sich sicher sein: Diese Menschen geben ihr Bestes, sie wollen niemanden ärgern. Da muss man nicht immer bimmeln – oder wenn keine Klingel vorhanden ist „Öffnen Sie eine zweite Kasse“ durch den Laden brüllen. Das hilft.

Mehr Nonfood-Themen

Likes

Teilen

0 Kommentare

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments