Der digitale Kassenbon braucht Aufmerksamkeit!

Der Kassenbon ist für Händler Pflicht – und zwar bereits seit 2020. Es gilt: Egal ob Klein oder Groß, egal ob Bäckerei oder Baumarktkette – der Händler muss den Kauf mit einem Bon belegen. Papierchaos ist oftmals die Konsequenz. Nachhaltig ist das nicht unbedingt und Kunden wollen den Papierzettel mitunter gar nicht mit nach Hause nehmen. Digitale Kassenbons könnten hier eine Lösung sein, hier fehlt es aber an Einheitlichkeit. liv.biz beleuchtet Kunden- und Händlersicht.

02.09.2022 Julia-Marie Schüßler 1 Kommentare 7 Likes
Der digitale Kassenbon ist nicht für alle Händler praktikabel.

Der digitale Kassenbon ist nicht für alle Händler praktikabel. Foto: Markus Winkler – unsplash.com

In Zeiten eines fortschreitenden Klimawandels müssen auch gesetzliche Vorgaben wie die Bonpflicht nachhaltig interpretiert werden. Der digitale Kassenbon scheint hier für viele Händler eine durchaus vorstellbare Lösung zu sein. Laut einer aktuellen EHI-Umfrage von 44 Handelsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit 36.800 Filialen allein im deutschsprachigen Raum (D-A-CH), hat die Attraktivität der elektronischen Bon-Variante zugelegt. Waren es 2020 noch 23 Prozent der befragten Unternehmen, ermöglichen 2022 bereits 34 Prozent die Ausgabe eines digitalen Kassenbons, 95 Prozent planen dies für die Zukunft. Was aber vielleicht auch für größere Unternehmen mitunter schwer umsetzbar ist, ist für kleine Händler eine fast unüberwindbare Hürde.

„Die Umsetzung ist für kleine Betriebe finanziell und technisch kaum händelbar“

Lina Schlupp besitzt einen kleinen Laden mit dem Namen „linaeht“ mitten in Monheim am Rhein. Hier gibt es lauter tolle Nonfood-Dinge: Schmuck, Papeterie, Kerzen (die übrigens personalisiert werden können) und Kleidung – die Stoffe entwirft Lina dafür selbst. Lina ist in ihrem Einzelhandel-Alltag eines ganz besonders wichtig: Nachhaltigkeit. Die Kassenbon-Pflicht und eine schwierige digitale Umsetzbarkeit erschweren es ihr aber ungemein, sich selbst treu zu bleiben. „Grundsätzlich würde ich den digitalen Kassenbon sofort umsetzen. Es werden nicht nur Ressourcen wie Holz, Wasser und Energie geschont, sondern die Verwendung der Schadstoffe Bisphenol A und S im Thermopapier ist ein weiterer negativer Fakt rund um den Kassenbon“, sagt Lina. „Leider folgt hier an der Stelle jedoch ein Aber: Ich denke, weshalb sich der digitale Kassenbon noch nicht durchgesetzt hat, liegt an der fehlenden Flexibilität für dieses Verfahren.“

Denn laut Lina bieten nicht alle gängigen Kassenterminals den digitalen Kassenbon aktuell als Service an. So gebe es einige Anbieter, die kleineren Einzelhändlern wie ihr einfach keinen optimalen Service bieten. Für Lina heißt das: höhere Transaktionsgebühren, keine Wartung oder Ersatz im Service der Bereitstellung des digitalen Kassenbons mit inbegriffen. „Die Umsetzung ist für kleine Betriebe finanziell und technisch kaum händelbar. Kostengünstigere und dennoch kundenfreundliche Möglichkeiten sind oft doch nicht erlaubt, weil sie der Bonpflicht dann nicht genügen beziehungsweise gegen diese verstoßen“.

Die Gewährleistung des Datenschutzes gestaltet sich obendrauf schwierig: „Auch wenn die Kundendaten nicht zwingend auf einem Bon stehen, muss es theoretisch bei jeder Übermittlung des digitalen Kassenbons an den Kunden eine Einverständniserklärung geben. Diese muss nachträglich einsehbar sein“. Ein weiterer Punkt: Es gibt viele verschiedene Lösungen, aber keine einheitlichen. „Große Ketten bieten den digitalen Kassenbon häufig oder ausschließlich über ihre eigene App an, Restaurants versenden den Bon per Mail, andere nutzen QR-Codes, die dann in wiederum weiteren Apps gespeichert werden. Dieses Durcheinander auf dem Smartphone nur für einen Beleg ist vielen Kunden aus meiner Sicht schlichtweg zu umständlich.“

Wollen Kunden überhaupt einen Kassenbon?

Deutsche Kunden wiederum befürworten insgesamt laut einer YouGov-Studie von 2019 den digitalen Kassenbon. Abhängig ist das Einverständnis zur Digitalisierung des Kassenzettels aber von der Zahlungsmethode. Bezahlen Kunden nämlich per Mobile Payment, sind 76 Prozent der 2047 repräsentativ und online befragten Personen für einen digitalen Beleg. Wird allerdings mit EC- oder Kreditkarte bezahlt, sinkt die Bereitschaft: 65 Prozent der EC-Karten-Zahler und 58 Prozent derer, die mit Kreditkarte zahlen, sind dann noch bereit eine digitale Alternative des Bons zu akzeptieren. Und: Nur 45 Prozent der befragten Barzahler bevorzugt einen elektronischen Beleg.

Aber wollen Kunden überhaupt einen Beleg für ihren Einkauf und wenn ja: warum? Ausschlaggebend für die Kassenbon-Nachfrage ist die Garantie eines Produktes, 91 Prozent der Befragten entscheiden sich dann für einen Kassenzettel. Ähnlich hoch gestaltet sich die Nachfrage, wenn ein Umtausch in Betracht gezogen wird: 85 Prozent nehmen dann den Beleg mit nach Hause. Wenn der Einkauf einen hohen Preis aufweist oder dieser für Dritte getätigt wurde, wollen 79 und 88 Prozent nicht auf den Bon verzichten.

Ein digitaler Kassenbon ohne App und Registrierung

Lina kann ein solches Kundenverhalten auch für 2022 bestätigen: „Wenn ich beispielsweise Einwegprodukte oder sehr günstige Produkte verkaufe, verlangen die wenigsten Kunden hierfür einen Bon. Bei wertvollen Produkten oder Vorauszahlen wird in nahezu allen Fällen ein Beleg auch mitgenommen und aufbewahrt“. Weiterhin ist sie davon überzeugt, dass der digitale Kassenbon auch für sie und ihre Kunden eine Option sein könnte. Aber: „Es braucht aus meiner Sicht mehr Unterstützung der Gesetzgebung und Industrie, dass dieses Thema vorangebracht wird. Ich hoffe sehr, dass die Industrie dieses Thema nicht zu früh aufgibt und in kurzer Zeit mengentaugliche Terminals erfindet, wie wir es bereits von der Funktion ‚kontaktloses Bezahlen‘ kennen. Diese Funktion wurde auch schnell flächendeckend möglich gemacht. Vorher sind vor allem für kleine Unternehmen die Hürden häufig noch zu groß und kostspielig“.

Ein Anbieter für eine möglichst hürdenfreie Bereitstellung des digitalen Kassenbons ist das Berliner Unternehmen refive. Ihre Mission: Offline-Geschäfte in Sachen Kundenbindung und Nachhaltigkeit unterstützen, damit sie mit großen Online-Händlern im Wettbewerb bleiben können. Dafür bieten sie eine Lösung sowohl für Großunternehmen und kleine mittelständische Unternehmen. Das Produkt: Ein KI-gestützter digitale Kassenbon, der ohne Apps, Registrierungen oder zusätzlichen Aufwand am POS funktioniert. Vielleicht der erste Weg, der auch kleinen Einzelhändlern eine digitale Alternative für den Kassenzettel bieten kann.

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Simon
1 Monat zuvor

genau auf den Punkt gebracht! Wir haben die digitale Bon-Lösung von refive in unseren Filialen in ganz Deutschland eingesetzt und sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, sowohl was die Einfachheit im Laden als auch die Möglichkeiten der Kundenansprache angeht, die wir jetzt haben. Da wir im E-Commerce angefangen haben, wo Daten Teil jeder Entscheidung sind, hatten wir Probleme damit, die Kunden in den Läden nicht zu kennen – die Lösung von refive hat uns geholfen, diese Lücke zu schließen!