Der intelligente Garten

Frisches Basilikum im Winter? Das geht mit dem smartGarten von dem Hamburger Start-up simplePlant. Via Echtzeit-Sensormessung wird Wasserfüllstand und Nährstoffgehalt in dem hölzernen Heimgarten dauerhaft gemessen – so weiß man immer, wann man gießen und düngen muss.

05.04.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 5 Likes
Ben Märten, Felix Witte und Pablo Antelo Reimers stehen buchstäblich hinter ihrem smartGarten.

Ben Märten, Felix Witte und Pablo Antelo Reimers (v.l.n.r.) stehen buchstäblich hinter ihrem smartGarten. Foto: simplePlant

„Language of plants“, der Sprachcode, der die Überlebenschance von Zimmerpflanzen erhöht, war ja leider ein Aprilscherz von liv.biz. Aber für alle motivierten Zukunftsgärtner haben wir jetzt etwas Reales und wirklich Funktionierendes in petto: den smartGarten von simplePlant. „Im Grunde ist es eine Designerlampe, die ein bisschen was kann“, sagt Geschäftsführer Ben Märten – und zwar Pflanzen konstant wachsen lassen.

Wer ist simplePlant?

Hinter simplePlant stehen neben Märten außerdem Felix Witte und Pablo Antelo Reimers. Witte ist für Entwicklung und Produktion zuständig, Reimers übernimmt die Pflanzenforschung und den Einkauf. Bereits 2017 entstand die Idee zu simplePlant. Der Grund ist ein äußerst sympathischer, den viele Hobbygärtner nur zu gut nachvollziehen können: „Wir waren nicht dazu in der Lage, Pflanzen – besonders Kräutertöpfe – länger am Leben zu halten“, sagt Märtens. Jedem fällt hier vor allem eine Pflanze ein: Basilikum. Grundsätzlich können manche Menschen es dieser unglaublich vollriechenden Art einfach nicht recht machen. Zu viel Wasser, zu wenig Wasser, Sonne, Schatten – nichts ist richtig.

Und jetzt der Hammer: im smartGarten von simplePlant soll sich Basilikum richtig wohl fühlen, sagt Märten. „Basilikum und Salate wuchern extrem. Minze braucht anfänglich ein bisschen, aber wächst dann später echt gut. Mediterrane Kräuter sind generell ein bisschen langsam.“ Aber wie macht simplePlant das? Die Antwort: eine clevere Kombination aus Hydrokultur, Beleuchtung, Nachhaltigkeit und Echtzeit-Sensormessung.

Das Geheimnis hinter dem smartGarten

„Wir haben festgestellt: Sonne und Licht reichen einfach nicht aus. Man muss die Pflanze auch richtig pflegen, richtig gießen“, sagt Märten. So besteht der smartGarten aus einem handgefertigten Holzkasten, der einen Wassertank beinhaltet. Die Pflanzencups kann man in die speziellen Vorrichtungen oberhalb des Tanks einlegen, sodass die Pflanzenwurzeln schließlich dauerhaft im Wasser hängen. Diese Hydrokultur sorgt dafür, dass sie immer genau die Nährstoffmenge erhalten, die sie benötigen sagt Märten. Und der Clou: Die Cups sind in Beeten organisiert, sodass immer Pflanzen zusammen gesät werden, die ähnliche Anforderungen an Wasser, Licht und Nährstoffe haben.

Aber damit nicht genug: Die Beleuchtung ist eine kleine Wissenschaft für sich. Während blaues Licht besonders gut in den ersten Wochen für das Wachstum ist, sorgt grünes Licht für buschiges Wachstum und rotes ist besonders wichtig für den Ertrag. Beim smartGarten werden alle diese unterschiedlichen Wellenlängen kombiniert, um die perfekten Bedingungen zu schaffen. Das Licht erscheint sonnengelb, sodass der smartGarten auch im Wohnzimmer platziert werden kann. „Es gibt viele Theorien dazu, aber wir haben uns am Sonnenlicht orientiert und uns gegen eine Badezimmeroptik entschieden. Da muss der smartGarten nicht in der hintersten Ecke der Küche stehen“, sagt Märten. Denn andere Heimgärten verfügen über ein sehr kaltes Licht, was auf Dauer stört.

Den smartGarten gibt es in unterschiedlichen Größen

Den smartGarten gibt es in unterschiedlichen Größen. Foto: simplePlant

Hydrokultur, optimale und angenehme Beleuchtung sind aber immer noch nicht alles, der smartGarten legt noch einen drauf: „Er ist nicht nur optisch ein Highlight, er besteht auch aus natürlichen Materialien, die in Deutschland gefertigt werden. Unser Tischler ist zum Beispiel in Bielefeld, der Schlosser kommt aus Hamburg“, sagt Märten. Hinzukommend haben die LED-Leuchten eine 25-Watt-Leistung, eine hohe Stromrechnung bei einer Leuchtdauer von 14 Stunden pro Tag muss man laut Märten also trotzdem nicht erwarten. „Dadurch, dass er durchgehend an ist, verbraucht er natürlich mehr als eine Lampe. Aber man kann ihn auch dimmen.“

Abgerundet wird das smartGarten-System durch die Echtzeit-Sensor-Messung. Dadurch werden der Füllstand des Wassertanks und der Nährstoffgehalt regelmäßig überprüft. „So weiß man immer genau, wann man gießen und düngen muss“, sagt Märten. Via App bekommt der Heimgärtner dann immer die Infos übermittelt.

Der Garten für die Stadtwohnung

Optimal ist der smartGarten für Menschen, die in der Stadt wohnen – also Menschen, die eher keinen großen Garten oder Balkon mit viel Sonnenlicht zur Verfügung haben. „Wir Hamburger haben außerdem lange, düstere Monate und werden auch immer wieder überrascht vom Wetter. Für Pflanzen ist das mitunter ein Schock. Das ist im smartGarten anders“, sagt Märten. Hier sind die Pflanzen konstanten Licht-, Wärme- und Nährstoffverhältnissen ausgesetzt.

Doch, wenn die Pflanzen im smartGarten so gut wachsen, werden sie nicht ab einem gewissen Zeitpunkt auch zu groß für den Heimgarten? „Das System ist darauf ausgelegt, dass man häufiger neu pflanzt“, sagt Märten. Man könne die Pflanzen auch aus dem smartGarten in einen Topf umpflanzen. Aber dann gibt es für Basilikum-Jongleure wieder das altbewährte Problem: Was will es und wie viel wovon?

Man kann jetzt natürlich hoffen, dass man im Laufe der Arbeit im smartGarten an Erfahrung und Wissen dazugewinnt. Der grüne Daumen kann allerdings nicht garantiert werden. simplePlant ist aber an Optimierungen dran: „Wir entwickeln weiter mit der Uni Hamburg“, sagt Märten. liv.biz ist gespannt.

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