Der Tech-Markt braucht die IFA 2022

Der Tech-Markt konnte zwar in der ersten Jahreshälfte 2022 ein Wachstum verzeichnen, allerdings nahm dieses stetig ab. Was die GfK darüber weiß und wie die IFA technischen Konsumgütern einen Push geben kann, erfahren Sie bei liv.biz.

31.08.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 2 Likes
Technische Konsumgüter.

Technische Konsumgüter. Foto: lucas Favre – unsplash.com

Freitag ist es endlich wieder soweit: Die IFA präsentiert mit zahlreichen Ausstellern vom 2. bis 6. September die aktuellen Trends der Consumer Electronics und Home Appliances. 2021 fiel die Technologie- und Industriemesse pandemiebedingt aus, bereits 2020 fand sie nur sehr reduziert statt. Aber jetzt, in der zweiten Jahreshälfte 2022 wird es höchste Zeit, Händlern und Konsumenten wieder ganz realen Zugang zur Technik-Industrie zu verschaffen. Warum? Das zeigen die aktuellen GfK-Zahlen für technische Konsumgüter.

Kaufzurückhaltung treibt Durchschnittspreis nach oben

Zwar wuchsen die Umsätze am Gesamtmarkt in den ersten sechs Monaten 2022 (in Höhe von unter 2 Prozent auf 35,5 Milliarden Euro), aber das Wachstum hat sich stetig verlangsamt – die Nachfrage ging global immer weiter zurück. Die Gründe: Corona-Pandemie, Auswirkungen des Ukraine-Krieges, Inflation und gestörte Lieferketten, die wiederum das Konsumverhalten der Endverbraucher stark beeinflussten.

So stieg im ersten Halbjahr 2022 der bezahlte Durchschnittspreis über alle Bereiche hinweg um sieben Prozentpunkte – dies allerdings langsamer als im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021. Hier legte der Durchschnittspreis um 9 Prozentpunkte zu. Höhere Preise ergaben sich aufgrund höherer Beschaffungskosten, der Verfügbarkeit von Produkten, die verstärkte Rückkehr in den Fachhandel und in besonderem Maße Veränderungen im verkauften Modellmix. Diese erhöhten Preise plus zunehmende Unsicherheiten aufgrund von Inflation und Ukraine-Krise sorgten in den meisten Bereichen für eine deutliche Kaufzurückhaltung im Einstiegsbereich, wodurch der bezahlte Durchschnittspreis insgesamt gestiegen ist. Ausnahmen gab es ausschließlich bei Premiumprodukten wie im TV-Premiumsegment.

IT- und Haushaltgeräte verlieren stark

Die Änderung im Konsumentenverhalten führte außerdem zu unterschiedlichen Entwicklungen in den verschiedenen Bereichen. Denn boomte zu Pandemie-Beginn das Geschäft mit IT- und Haushaltsgeräten, ging der Umsatz nun seit diesem Jahr und im Vergleich zu 2021 zurück. Das IT- und Office-Segment muss so im ersten Halbjahr einen Umsatz-Rückgang von acht Prozent verbuchen, Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik verlieren jeweils sechs und vier Prozent. Auf dem IT-Markt im Speziellen sank die Nachfrage nach mobilen PCs und Monitoren um jeweils 12 und neun Prozent – ausschlaggebend ist hier die verstärkte Rückkehr der Arbeitnehmer ins Büro.

In der Unterhaltungselektronik hat es besonders hart TV-Geräte getroffen, hier ergab sich ein Umsatzrückgang um 10 Prozent in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – nur Displays größer als 75 Zoll und OLED-TVs stellen eine Ausnahme dar.

Deutschland kauft Premium

Die großen Gewinner sind auf der anderen Seite Elektrogroßgeräte mit acht Prozent und die Telekommunikation mit sogar 15 Prozent Umsatz-Steigerung sowie leichte und schlanke Notebooks  – der Trend zum Homeoffice trotz weniger Pandemie-Beschränkungen pushte den Umsatz hier um 17 Prozent.

Ebenfalls hochgeschätzt scheinen Premiumprodukte zu sein. „Premiumprodukte und -segmente sind auch im Krisenjahr 2022 nachgefragt“, sagt Alexander Dehmel, GfK-Experte für technische Konsumgüter in Deutschland und Österreich. „In unserer KI-Plattform gfknewron identifizieren wir 15 Prozent aller deutschen Verbraucher als ‚Premium-Konsumenten‘. Diese Menschen sind bereit, mehr Geld für ein Gerät einer bekannten Marke, welches viele Funktionen bietet, auszugeben. Für Händler und Hersteller folgt daraus, dass Premiumisierungsstrategien unter den derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Bedingungen selektive Möglichkeiten eröffnen.“ Umsatzsteigerungen gab es zum Beispiel bei Staubsaugerrobotern mit Sprachsteuerung (plus 227 Prozent), Waschmaschinen mit Energielabel A (plus 89 Prozent), bei Soundbars mit Premiumfunktionen wie Dolby Atmosphäre/DTS:-Funktionalität (plus 88 Prozent), Kochfeldern mit integriertem Absauggebläse (plus 36 Prozent) und Waschmaschinen mit Sprachsteuerung (20 Prozent).

Comeback des traditionellen Handels

Die Frage, wo Deutsche im ersten Halbjahr 2022 am liebsten kauften, beantwortet GfK-Experte Alexander Dehmel: „Die Nachfrage nach technischen Konsumgütern in Deutschland hat sich in der ersten Jahreshälfte 2022 heterogen entwickelt. Während der traditionelle Einzelhandel an Marktanteilen gewonnen hat, ist der Anteil des Onlinehandels erstmalig in den letzten fünf Jahren rückläufig. 37 Prozent des Umsatzes mit technischen Konsumgütern wurden während dieser Zeit online erzielt. Das sind 7 Prozentpunkte weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Trend zum Onlinehandel wird sich aber weiter fortsetzen.“

Die Aufgabe der IFA

Auch wenn sich der Trend zum Onlinehandel laut Experten-Meinung weiter fortsetzen wird, ist auch erkennbar: Menschen wollen Technik wieder real erleben, real kaufen. Und hier kommt die IFA ins Spiel: Hier ist Elektronik erlebbar, Chancen müssen genutzt werden, Konsumenten trotz finanzieller Unsicherheiten begeistert werden. Denn so können sich große Erwartungen in Aktionszeiträume wie Black Friday und das Weihnachtsgeschäft vielleicht tatsächlich bewahrheiten.

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