Die Schnäppchenjägerin

Noch nie waren Schnäppchen so wichtig wie jetzt. Die Schnäppchenjägerin verrät exklusiv in "Geschichten aus dem Einzelhandel" ihre geheimsten Tipps, die sogar Kassiererinnen und Kassierer vor Überraschung erblassen lassen.

11.06.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 3 Likes
Schnäppchen, Sale, TK Maxx, Peek & Cloppenburg

Die Schnäppchenjägerin findet mit Adleraugen, Scharfsinn und Geduld die besten Schnäppchen in Geschäften wie TK Maxx und Peek & Cloppenburg. Foto: Ivan Kazlouskij – unsplash.com

Es ist Samstagnachmittag. Sie packt ihre Tasche. Das Portemonnaie wird in der Innentasche verstaut, die EC-Karte ist gedeckt. Sie atmet tief ein und wieder aus. Sie lockert Arme und Beine. Setzt ihre Sonnenbrille auf und verlässt das Haus. Es ist Zeit für einen Streifzug. Ihr Revier: Geschäfte des Einzelhandels. Sie ist berühmt berüchtigt, alle, die sie kennen, nennen sie nur: die Schnäppchenjägerin. Ihren richtigen Namen benutzt sie schon lange nicht mehr. Sie findet Schnäppchen im stationären Handel, von denen selbst die Kassiererinnen und Kassierer nichts wissen und vor Überraschung erblassen.

Nonfood-Paradies TK Maxx

Orte von Interesse: Schaufenster mit großen Sale-Schildern, Geschäfte, die bekannt sind für niedrige Preise und kleine Schätze. Ihr Geheimrezept: Nicht etwa Prospekte durchforsten. Nein. Adleraugen, Scharfsinn und Geduld – das sind die drei magischen Eigenschaften der Schnäppchenjägerin. Der erste Tatort: TK Maxx. Ihr Auftrag: ein Geburtstagsgeschenk für die beste Freundin finden. Idee noch nicht vorhanden.

Sie streift durch die Gänge. Ihre Augen wandern von Regal zu Regal. Nichts. Nichts. Wieder nichts. Jetzt nicht verzagen. Nichts. Bei TK Maxx gibt es Einzelstücke, Massenware so gut wie ausgeschlossen. Wenn man aber eine Sache findet, die passt, kann man sicher sein, dass es etwas Besonderes ist. Die Augen ziehen weiter. Eine Wolldecke mit Lamas und Kakteen. Verführerisch weich. Preis top. Sie sucht nach einem Geschenk-Konzept. Die Schnäppchenjägerin kramt in der hintersten Ecke ihres unschlagbaren Kreativkopfes. Da ist sie, die bahnbrechende Idee: Die Freundin liebt es, zu reisen. Eine Weltreise durch die Nonfood-Welt, wie passend. Erste Station mit Hilfe der Wolldecke: Peru.

Weiter geht es zu den Duftkerzen. Eine kleine Zitrone aus Plastik ist an der Kerze im Glasbehälter mit Holzdeckel angebracht. Sie hebt den Deckel, es riecht betörend nach Zitronen-Kuchen. Zweite Station: Gardasee. In der Geschirrabteilung warten kleine verzierte Schälchen aus Andalusien, die dritte Station steht also fest. TK Maxx hat einfach alles, was das Nonfood-Herz begehrt. Die Schnäppchenjägerin findet noch Seife aus Frankreich und Badezusatz aus dem Orient. Schmuck aus Großbritannien wandert ebenfalls in den Einkaufskorb. An der Kasse dann der Moment der Entscheidung: Ein Betrag von weniger als 50 Euro besiegelt die erfolgreiche Lösung des Falls. Die Akte kann geschlossen werden.

Schnäppchen-Tatort Peek & Cloppenburg

Aber eine Schnäppchenjägerin bleibt nur erfolgreich, wenn sie sich selbst zwischendurch ein Schnäppchen gönnt. Für diesen besonderen Fall stellt sie sich einer extremen Herausforderung: Ein Textil-Schätzchen im eher höher preisigen Peek & Cloppenburg. Seit Aufhebung des Rabattgesetztes 2001 findet man auch hier regelmäßig Sale-Ständer. Die schiere Masse und vermeintliche Unordnung überfordert die meisten. Aber nicht die Schnäppchenjägerin.

Einatmen. Ausatmen. Arme und Beine ausschütteln. Sonnenbrille auf den Kopf schieben. Los geht’s. Ständer für Ständer wird durchforstet. Glücklicherweise sind hier Oberteile und Hosen zumindest nach der Größe sortiert, eine nicht zwingend notwendige Erleichterung für die Schnäppchenjägerin. Nichts. In der Damenabteilung findet sich kein Indiz zur Falllösung. Nicht verzagen, sagt sie sich erneut. Die Augen fliegen über die Ständer hinweg auf die andere Seite des Ladens. Auch in der Herrenabteilung prangen große Sale-Schilder, die Masse ist nicht ganz so überwältigend.

Schnell aber bestimmt und nicht hektisch begibt sie sich auf die andere Seite. Ein Bügel nach dem anderen wird zur Seite geschoben. Als sie sich gerade wieder zum Nicht-Aufgeben ermahnen will, sieht sie es. Ein schwarzes T-Shirt mit einem Abbild ihrer Lieblings-Künstlerin Lady Gaga drauf. 50 Prozent reduziert. Die Kassiererin wird blass, fragt, wo sie dieses Schmuckstück gefunden habe. Aber die Schnäppchenjägerin verrät ihr Geheimnis nur bei liv.biz, setzt die Sonnenbrille auf und verlässt den Tatort. Fall geschlossen.

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