Droht ein Weihnachten ohne Kerzen?

Kerzen sind ein klassisches Evergreen-Nonfood, was besonders zu Weihnachten für sinnliche Stimmung sorgt. Viele Kerzen bestehen aber aus Paraffin – ein Rohstoff der zunehmend in Kritik gerät und obendrauf immer knapper wird. Die Gebr. Müller Kerzenfabrik AG hat nachhaltige Alternativen im Angebot. Vorständin Ann-Kristin Müller hat uns verraten, ob wir tatsächlich ein Weihnachten ohne Kerzen fürchten müssen.

02.06.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 5 Likes
Droht ein Weihnachten ohne Kerzen?

Die Gebr. Müller Kerzenfabrik AG setzt auf Nachhaltigkeit in der Kerzenherstellung – zum Beispiel in der PRO NATURE Serie. Foto: Gebr. Müller Kerzenfabrik AG

Kerzen schaffen Atmosphäre. Eine Atmosphäre, die elektrisches Licht nicht in diesem Ausmaß schaffen kann. Eine Atmosphäre, die man besonders in den dunkleren Jahreszeiten liebt und schätzt. Eine Atmosphäre, die zu Weihnachten ein Muss ist. „Kerzen sind wie ein Kamin oder ein Lagerfeuer. Eine Kerze wird von Hand entzündet und nicht per App gestartet. Kerzenlicht wärmt und beruhigt. Sie sind ein Stück Nostalgie im Smarthome, wenn man so will“, sagt Ann-Kristin Müller, Vorständin der Gebr. Müller Kerzenfabrik AG.

Kerzen sind schon lange nicht mehr notwendig, um einen Raum zu beleuchten, dennoch dürfen sie in keinem Haushalt fehlen. „Kerzen sind im Grunde bereits ein Luxusgut, seit es das elektrische Licht gibt. Aber Kerzen sind gleichzeitig auch ein wichtiges Back-up und sollten daher in jedem Haushalt auf Vorrat liegen“, sagt Müller. Denn wie wir häufig bei Stromausfällen sehen: Kerzen sind immer hilfreich.

Das Problem mit dem Paraffin

Und einige dieser Besinnlichkeitsgaranten und Evergreen-Lichtquellen stehen seit geraumer Zeit in der Kritik, obendrauf werden Rohstoffe knapp, Weihnachten im Kerzenschein könnte vielleicht schon in diesem Jahr ausfallen. Der Grund: Paraffin. Die meisten Kerzen werden aus Paraffin hergestellt. Paraffin ist ein Gemisch aus Alkanen, aus gesättigten Kohlenwasserstoffen. Paraffin, genauer Hartparaffin, ist ein Nebenprodukt, das beim Raffinieren von Erdöl entsteht – und das wird als problematisch angesehen. Zum einen wird Paraffin nämlich auch in Kosmetika verwendet, durch das Abwaschen oder auch verwenden von Paraffinbädern gelangt Paraffin ins Abwasser. Es ist nicht biologisch abbaubar, es verweilt somit im Wasserkreislauf.

Zum anderen ist die Wirkung von Paraffin auf den menschlichen Körper ebenfalls umstritten. Beim Abbrennen von Kerzen sollen giftige Gase entstehen. Neben den negativen Auswirkungen von Paraffin auf Umwelt und Mensch, wird der Rohstoff in Europa zunehmend knapp. Import ist somit ein unerlässlicher Beschaffungsweg.

Welche Alternativen gibt es zu Paraffin?

„Es gibt aktuell keinen Rohstoff, der gänzlich unproblematisch ist“, sagt Müller. Eine pflanzliche Alternative ist Stearin, das man aus pflanzlichen Stoffen gewinnen kann, aus Palmöl oder Kokosfett zum Beispiel. Im Vergleich zu Paraffin erhält es Abzüge in der B-Note: Während Hartparaffin zwischen 50 und 60 Grad schmilzt, benötigt Stearin etwa 65 Grad. Außerdem ist es weniger elastisch als Paraffin und kostet mehr. Und obwohl es aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen wird, muss die Umweltfreundlichkeit dennoch in Frage gestellt werden: „Pflanzliche Rohstoffe benötigen riesige Flächen für den Anbau, das wird häufig verkannt“, sagt Müller.

Bienenwachs ist eine weitere Rohstoff-Alternative für die Kerzenherstellung. Aber auch diese Option ist nicht unbedingt nachhaltig. So muss auch Bienenwachs importiert werden, denn auch dieses Naturprodukt ist nur begrenzt verfügbar. Dadurch werden diese Kerzen schnell teurer als Paraffin- oder Stearin-Kerzen.

Für die Gebr. Müller Kerzenfabrik AG hat Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert. „Nachhaltigkeit ist auch für uns und besonders für unsere großen Kunden ein wichtiges Thema. Unsere Kunden erwarten von uns Transparenz und verantwortungsvolles Handeln, es gibt eine spürbare Sensibilisierung der Endverbraucher durch die Medien und Politik“, sagt Müller. Zu den Bestsellern gehören daher auch die Kerzen aus der PRO NATURE Serie. Sie sind aus nachwachsenden Rohstoffen produziert, mit Holzdocht und aus recyceltem Glas. „Für die Verhinderung von Umweltschäden durch Rodungen oder Monokultur ist das eine gute Entwicklung, die wir unterstützen“, sagt Müller. So hat sich das Unternehmen bereits vor Jahren dazu entschieden, nur nachhaltig produziertes Palmöl einzusetzen. „Wir nehmen in dieser Hinsicht also eine Vorreiterrolle ein und wurden beispielsweise 2017 vom WWF darin bestätigt.“

Aber damit nicht genug: Die Gebr. Müller Kerzenfabrik AG setzt auf eine breite Auswahl an Komponenten unterschiedlicher Ursprünge zur Kerzenherstellung. „Wir arbeiten einerseits intensiv an der Erschließung neuer pflanzlicher Energieträger und verbessern andererseits permanent unsere Prozesse und Produkte, um verfügbare Ressourcen ausgewogen zu nutzen und durch Recycling auch umweltschonend wiederzuverwenden“, sagt Müller. Und das ist auch notwendig.

Ist eine Kerzen-Knappheit zu Weihnachten denkbar?

Denn: „Die Beschaffungssituation für Rohstoff hat sich weltweit verschärft, lange Vorläufe erfordern eine gute Planung, um Produktionsausfälle zu vermeiden“, sagt Müller. Derzeit bekämen sie das aber alles gut hin, schnell steigende Rohstoffpreise würden sich aber auch auf Herstellungs- und Logistikkosten und somit wiederum auf die Kerzenpreise auswirken. Ein Weihnachten ohne Kerzen müssen wir demnach aber wahrscheinlich nicht befürchten, wohl aber ein teureres. liv.biz bleibt dran.

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