Ech·o-Cham·ber-Ef·fekt

In einem zukünftigen Metaverse gibt es nicht nur Vorteile für Werbetreibende, sondern auch Gefahren für eine demokratische Gesellschaft. Grund dafür ist der sogenannte Echo-Chamber-Effekt. Bei liv.biz erfahren Sie, warum dieser Mechanismus im neuen Online-Universum für Probleme sorgen könnte.

15.03.2022 Jana Wilkens 0 Kommentare 0 Likes

Den Begriff „Echo-Chamber-Effekt“ beschreibt der US-amerikanische Professor Cass Sunstein als Folge einer selektiven Wahrnehmung. Demnach wird die Meinung von gleichgesinnten Menschen verstärkt, sofern diese aufeinandertreffen und sich unterhalten. Ihre Einstellung zu einem bestimmten Sachverhalt ist dann extremer als zuvor. Dieser Effekt kann sich nicht nur aufgrund von zwischenmenschlichem Kontakt ereignen, sondern auch durch das Konsumieren von Medieninhalten, die die eigene Meinung bekräftigen.  

Gefahr der Echo-Chambers

Menschen selektieren dann Informationen, die ihrer eigenen Meinung nicht entsprechen. Indem man sich nur mit Menschen und Medieninhalten umgibt, die die eigene Sichtweise widerspiegeln oder sogar bekräftigen, kann die eigene Meinung darüber hinaus als die allgemein vorherrschende Meinung wahrgenommen werden. Auf diese Weise wird angenommen, dass alle Personen diese Meinung vertreten. Soziale Netzwerke wie Facebook oder aber auch zukünftig das Metaverse können Echo-Chambers für gleichdenkende Personen darstellen. Das birgt insofern Gefahren, als dass sich beispielsweise extreme politische Meinungen dort verstärken und im schlimmsten Fall in die reale Welt übertragen werden können.  

Gegenmaßnahmen

Eine ausgeglichene Berichterstattung, die kontroverse Standpunkte gegenüberstellt, vermindert diese Auswirkungen nicht. Vielmehr kann auch dies dazu führen, dass Konsumenten ihre Einstellung weiterhin radikalisieren und die Differenzen verstärkt werden. Auch Korrekturen von falschen Annahmen zu einem Sachverhalt oder Gerüchten können dazu führen, dass bestehende Annahmen zu einem Sachverhalt erneut verstärkt werden. Einem Echo-Chamber-Effekt entgegenwirken können hingegen glaubwürdige Quellen. Auch wenn diese nicht der eigenen Meinung entsprechen, können sie aber als valide betrachtet werden. Dann kann eine Revision der eigenen Meinung erfolgen. Denn oftmals findet laut Sunstein eine Identifikation oder eine Zustimmung mit dieser Quelle statt. Wenn diese dann schließlich eine andere Sichtweise als die eigene offenbart, wird eher über die Falsifikation der persönlichen Meinung nachgedacht. 

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