Erneut weniger Aufträge für deutsche Industrie

Der Abwärtstrend setzt sich fort, der Ausblick bleibt gedämpft. Gründe für das Order-Minus sind Lieferkettenstörungen sowie hohe Energiepreise und Inflationsraten. Es heißt aber auch: Unternehmen produzierten ohnehin deutlich weniger als in "normalen" Zeiten.

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06.09.2022 0 Kommentare 0 Likes

Wiesbaden/Berlin (dpa/jw) Die Auftragslage der deutschen Industrie trübt sich weiter ein. Im Juli gingen erneut weniger Aufträge ein, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts vom Dienstag hervorgeht. Der Auftragseingang fiel gegenüber dem Vormonat um 1,1 Prozent. Es ist bereits der sechste Rückgang in Folge. Analysten hatten mit einem Rücksetzer von im Schnitt 0,7 Prozent gerechnet.

Schwache Entwicklung der Nachfrage

Die Nachfrage habe sich angesichts des Ukraine-Kriegs und der hohen Gaspreise schwach entwickelt, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium. „Für die Industrieunternehmen bleibt der Ausblick auf das zweite Halbjahr gedämpft, was sich auch in einem abgekühlten Geschäftsklima und zurückhaltenden Exporterwartungen widerspiegelt.“ Bankvolkswirte äußerten sich ähnlich verhalten.

Im Detail kamen im Juli 4,5 Prozent weniger Bestellungen aus dem Inland, aus dem Ausland gingen dagegen 1,3 Prozent mehr Aufträge ein. Stützend wirkten die Bestellungen aus Ländern außerhalb der Eurozone. Nach Gütergruppen gingen die Orders für Konsumgüter ungewöhnlich stark um fast 17 Prozent zurück. Investitionsgüter wie Maschinen wurden jedoch nur etwas weniger bestellt als im Vormonat. Vorleistungsgüter wurden 1,5 Prozent mehr nachgefragt.

Lieferkettenstörungen, steigende Energiepreise und hohe Inflation

DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen sagte, Lieferkettenstörungen, steigende Energiepreise und hohe Inflationsraten hätten der Weltkonjunktur einen Dämpfer versetzt und ließen seit Jahresbeginn die Bestellungen von Monat zu Monat sinken. „Nicht nur im Inland schwächelt die Nachfrage nach Industrie- und Investitionsgütern, auch die Bestellungen aus dem Euroraum sind rückläufig. Das sind keine guten Aussichten für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.“

Commerzbank-Analyst Ralph Solveen relativierte die Bedeutung der Daten. Die Entwicklung der Aufträge sei derzeit eher zweitrangig, da die Unternehmen ohnehin deutlich weniger produzierten als in „normalen“ Zeiten. Ausschlaggebend dafür seien zum einen die teils erheblichen Lieferengpässe im weltweiten Güterhandel. „Zum anderen haben zuletzt viele Unternehmen angesichts der massiv steigenden Energiepreise die Produktion mancher Güter heruntergefahren, da sie nicht mehr rentabel ist.“ Dieser Effekt dürfte laut Solveen künftig an Bedeutung gewinnen.

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