Lina näht Nachhaltigkeit

Lina Schlupp möchte die Textilindustrie ein bisschen besser machen. So achtet sie bei ihrem Label "linaeht" auf Nachhaltigkeit in allen Produktionsschritten. liv.biz findet: Lina macht nicht nur ein bisschen für unsere Umwelt, sondern ganz schön viel.

30.04.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 4 Likes
Lina Schlupp stellt unter dem Label

Lina Schlupp stellt unter dem Label „linaeht“ Textilien ganz im Sinne der Nachhaltigkeit her. Foto: linaeht

Vor einigen Jahren hat sich Lina Schlupp das Nähen selber beigebracht. Nähen ist Handarbeit pur, Nachhaltigkeit ist die Arbeit an sich von Natur aus. Aber zum Nähen gehören Stoffe und Garn, wer da weiter im Sinne der Sustainability kreativ sein möchte, hat es schwer. „Die Textilindustrie ist eine der umweltschädlichsten Branchen auf dem Markt. Textilfabriken sind weltweit für ein Fünftel der Wasserverschmutzung verantwortlich“, weiß Lina. Ihr war es aber von Anfang an wichtig, dass ihre Stoffe eine hohe Qualität aufweisen und sie genau nachvollziehen kann, woher sie kommen und womit sie bedruckt werden. „Ich muss leider gestehen, dass dies nicht sehr einfach war.“

Nachhaltigkeit selbstgemacht

So entschied sich Lina dazu, ihre Stoffe einfach selbst zu machen und hat dabei eine einzigartige Nische entdeckt: Sie begann eigene Motive, die sie selbst zeichnete, auf Metaware drucken zu lassen. Die Stoffe sind natürlich nachhaltig – denn Nachhaltigkeit ist für Lina „Teil ihrer Unternehmensphilosophie und nicht nur reine Marketingstrategie“. Aber wie schafft man es in der Textilbranche voll und ganz nachhaltig zu sein?

Die Motive für die Stoffe bei „linaeht“ entwirft Lina selbst. Foto: linaeht

Die Motive für die Stoffe und selbstgenähte Einzelstücke fertigt Lina alle persönlich an – und zwar per Hand. „Das Garn kaufe ich beispielsweise lieber bei dem kleinen Stoffgeschäft in der Stadt als beim großen Online-Kaufhaus mit A – wobei dies wahrscheinlich viel billiger wäre“, sagt Lina. Für größere Arbeiten unterstützt sie die Stuttgarter Näherei „Zauberfaden“, eine gemeinnützige Organisation, die ausschließlich Flüchtlinge beschäftigt und ihnen so eine Perspektive schafft.

Sustainability auf allen Ebenen

Ihr Hauptgeschäft dreht sich allerdings um die Produktion der Stoffe. „Ich finde es sehr schade, dass so viel Greenwashing betrieben wird“, sagt Lina. Bei „linaeht“ gibt es echte Nachhaltigkeit, jeder Produktionsschritt wird dabei bedacht. Ihre Stoffe werden alle im europäischen Umland gewebt und bedruckt – in Polen und Portugal. Zum einen kommt die Bio-Baumwolle aus der Türkei, andere Baumwolle kommt aus Amerika. „Das ist zwar keine Bio-Baumwolle, aber in diesem Unternehmen wird auf eine faire Bezahlung und Arbeitsweise geachtet“, sagt Lina. Leider gebe es keine europäische Baumwolle, da die Baumwolle hier aufgrund des Klimas einfach nicht wachsen möchte.

Die Produktion

„Dafür haben sich aber die Druckereien selbst etwas einfallen lassen: So werden beispielsweise immer neue Bäume pro eingegangener Bestellung gepflanzt.“ Bedruckt werden die Stoffe darüber hinaus mit GOTS-zertifizierten Tinten und dann mit Heißluft fixiert. „Hierbei wird kein einziges Gramm Wasser verschwendet und es wird keine giftige Chemie eingesetzt, die hinterher wieder in die Umwelt zurücklaufen würde“, sagt Lina. Innerhalb ihrer Produktion achtet Lina auf Klimaneutralität, manche Bereiche sind sogar klimapositiv.

Der Transport

Und auch den Transport der Ware gestaltet Lina so nachhaltig wie möglich: Kurze Wege, Graskartons, Verzicht auf Plastikverpackungen und als Versandpartner DHL Go Green sind nur ein paar Stichworte. Und Lina macht noch viel mehr: So spendet sie Stoffreste an Kitas vor Ort, unterstützt andere Handmade-Labels, vergewissert sich über die Arbeitsbedingungen und soziale Gegebenheiten bei ihren Zulieferern und stellt auf ihrem Instagram-Kanal jeden Freitag eine andere nachhaltige Marke vor oder informiert über wichtige Themen der Textil-Industrie. „Der einzige Bereich, in dem ich zugeben muss, nicht nachhaltig zu arbeiten, ist das Plotten. Leider habe ich noch keine umweltfreundliche Alternative gefunden. Aber ich bin ständig auf der Suche, meine Prozesse noch nachhaltiger zu gestalten.“

Noch mehr Nachhaltigkeit

Noch nachhaltiger? Das geht doch kaum oder? Für Lina schon: Gerne würde sie auch ihre Stoffe lokaler beziehen. Leider gebe es in Deutschland aber keine ihr bekannte Druckerei, die nachhaltig und in kleinen Mengen bedruckt. „Natürlich verzichte ich auf einen großen Teil meines Gewinns durch die Fokussierung auf den Nachhaltigkeits-Aspekt. Dennoch bin ich sehr stolz einen mittelklassigen Preis für Endkunden und Händler anbieten und halten zu können.“

Und Lina sprudelt nur so vor weiteren Ideen. Im Bereich ihrer Stoffe sind neue RIB-Jersey Farben in Bio-Baumwoll-Qualität auf dem Weg nach Monheim am Rhein. Neben Onlineshops hat Lina dort nämlich auch einen kleinen Concept Store. Hier gibt es Stoffe und handgenähte Produkte, aber auch Naturkosmetik, Accessoires und Deko-Artikel. Nachhaltige Kuscheltiere, Kerzen und Geschenkartikel stehen bereits in den Startlöchern.

Das Warum

Und warum macht Lina ihre Arbeit eigentlich mit so viel Hingabe und Liebe zum Detail sowie zur Nachhaltigkeit? „In dem Moment, in dem ich Produkte selbst herstelle, übernehme ich eine höhere Verantwortung für deren Qualität und Verarbeitung – aber auch für die Umwelt, im Bezug darauf, wonach ich meine Rohstoffe auswähle.“ Außerdem ist Handmade für Lina vollste Überzeugung, Tradition und Liebe zugleich. Inspiriert wird sie dabei von ihren „zwei wundervollen Mädchen“. „Hier entstehen hübsche und praktische Ideen für weitere Einzelstücke, sowie angesagte Kindermotive.“ liv.biz findet Lina einfach nur super und ihre Arbeit bewundernswert – sollten wir nicht alle ein bisschen mehr wie Lina sein?

Mehr Nonfood-Themen

Likes

Teilen

0 Kommentare

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments