Muss ein Adventskalender wirklich 235 Euro kosten?

Dieses Mal analysiert liv.biz-Autorin Julia-Marie Schüßler den diesjährigen Adventskalender-Markt – denn wer einen will, sollte rechtzeitig einen kaufen. Exklusivität und Preis scheinen sich hier zu überschlagen, doch ist das wirklich im Sinne des Adventskalender-Erfinders Gerhard Lang?

Eine Meinung von Julia-Marie Schüßler

10.09.2022 0 Kommentare 1 Likes
Adventskalender müssen auch 2022 offenbar ein echtes Highlight sein.

Adventskalender müssen auch 2022 offenbar ein echtes Highlight sein. Foto: congerdesign – pixabay.com

Ja, es ist September und ja: Bis Weihnachten sind es noch über drei Monate. Aber: Der frühe Vogel fängt den Adventskalender. Denn, wer erst im November darüber nachdenkt, bekommt im Zweifel nicht mehr das, was er gerne hätte. Fraglich ist aber zunächst eben genau das: Was für ein Adventskalender soll es eigentlich sein?

Der Adventskalender-Markt explodiert

Egal ob Kind oder Erwachsener: Einfache Schokoladen-Adventskalender haben gefühlt nur noch die wenigsten – und wenn, werden sie gerne als Ergänzung zu Nonfood-Kalendern genutzt. Und die gibt es in allen denkbaren Variationen und vor allem Preisklassen. Wer im Internet ganz unbedarft das Stichwort „Adventskalender 2022“ eingibt, wird mit Angeboten überschüttet. dm hat hier ein ganzes Portfolio im Sortiment: Für die Kleinen gibt es da einen Pixi Adventskalender für 20 Euro oder für die Großen einen Adventskalender der dm-Eigenmarke balea für 14,95 Euro.

Und dann wird es auch schon ganz schnell höherpreisig: Adventskalender von essie und Maybelline New York kosten beispielsweise 54,95 und 59,95 Euro. ROSSMANN hat einen Adventskalender mit Produkten von L’Oréal Paris für 69,99 Euro im Angebot, der gefragte Adventskalender von Rituals liegt jedes Jahr bei um die 90 Euro. Und auch ein Adventskalender von Star Wars – für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet – liegt preislich bei um die 30 Euro. Das absolute Preismaximum erreicht der Kalender von LUSH mit 235 Euro – aber selbst hier ist womöglich das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Ich könnte jetzt hier insbesondere ältere Generationen zitieren und sagen: Das sind mitunter umgerechnet 470 Mark! 470 Mark für einen Adventskalender. Aber das ist überhaupt gar nicht notwendig, denn bereits die Zahl 235 ist einfach unverhältnismäßig. Das Adventskalender-Business scheint sich in den letzten Jahren mehr oder weniger unbemerkt immer weiter gepusht zu haben. Was schon längst für Weihnachtsgeschenke gilt, gilt mittlerweile offenbar auch für den Nonfood-Countdown bis zum Fest: Es muss immer besser, toller und vor allem teurer sein. Doch ist das noch im Sinne des Erfinders?

Schenkt Liebe!

Den deutschen Buchhändler und Verleger Gerhard Lang, der den ersten gedruckten Adventskalender 1904 auf den Markt brachte, können wir dazu leider nicht mehr befragen. Aber wie Sie schon sehen, war der Ursprungs-Adventskalender eine Papiervariante. Bilder erzählten hier eine Geschichte unter dem Titel „Im Lande des Christkinds“ – sie zeigten die Vorbereitungen des Christkinds zu Weihnachten. Er sollte also auf Weihnachten einstimmen, ohne viel Schnickschnack.

Klar, wenn man daran denkt, dass zu Weihnachten vermutlich noch mehr Geld unter dem Tannenbaum liegt, kann man davon ausgehen, dass ein Adventskalender für 235 Euro auf das Fest der Liebe einstimmt. Vielleicht sollten wir uns aber auch hier wieder aufs Wesentliche konzentrieren. Ein Adventskalender überzeugt nicht nur, wenn er viel kostet. Eine selbstgemachte Variante für einen kleineren Preis drückt viel mehr das aus, worum es an Weihnachten geht: Liebe. Und hierfür ist man übrigens auch selten zu spät dran.

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