Nach·hal·tig·keit

Was bedeutet eigentlich Nachhaltigkeit? Wann ist etwas nachhaltig? Und welchen Beitrag können deutsche Unternehmen zur Nachhaltigkeit leisten? liv.biz klärt auf.

15.03.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 0 Likes
Hände gefüllt mit Erde und einem grünen Zweig als Symbol für Nachhaltigkeit.

Hände gefüllt mit Erde und einem grünen Zweig als Symbol für Nachhaltigkeit. Foto: Noah Buscher – unsplash.com

Oftmals ist es schwierig zu verstehen, was genau unter Nachhaltigkeit oder auch Sustainability zu verstehen ist. Das ist auch nicht verwunderlich, da der Begriff aktuell in den verschiedensten Kontexten gebraucht wird und manchmal sogar das Falsche damit bezeichnet wird. Immer mehr Produkte sind nachhaltig, immer mehr wird im Netz von der Bedeutung von Nachhaltigkeit gesprochen.  

Was bedeutet Nachhaltigkeit? 

Der Duden unterscheidet insgesamt drei verschiedene Gebrauchsweisen. Zum einen beschreibt Nachhaltigkeit demnach allgemein eine „längere Zeit anhaltende Wirkung”. Außerdem gibt es noch eine Gliederung in den Gebrauch des Begriffs in der Forstwirtschaft sowie der Ökologie. In Ersterer meint Nachhaltigkeit ein forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann”. In der Ökologie bezeichnet Nachhaltigkeit Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann”. Alle drei Bedeutungen haben ihren Ursprung im 18. Jahrhundert. 

Der Nachhaltigkeitsgedanke ist über 300 Jahre alt 

Da der Begriff seit einigen Jahren aufgrund gestiegener Bedeutung eben auch verstärkt von Politik und Medien gebraucht wird, hat man manchmal den subjektiven Eindruck, dass es sich um ein neueres Phänomen handeln muss. Das ist es aber nicht. Der Duden hat „Nachhaltigkeit” 1915 in den Rechtschreibduden aufgenommen. Hans Carl von Carlowitz, sächsischer Oberhauptbergmann, sprach sogar bereits 1713 von Nachhaltigkeit – und zwar in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“. 

Damals drohte eine Rohstoffkrise und von Carlowitz sprach erstmals vom Nachhaltigkeitsprinzip: Er meinte damit, dass nur so viel Holz geschlagen werden dürfe, wie auch wieder gesät und gepflanzt werden könne. Von Carlowitz nannte das Nachhaltigkeitsprinzip damals noch eine „kontinuierliche beständige und nachhaltende Nutzung“. Er schrieb unter anderem von Möglichkeiten Ressourcen einzusparen und darüber, alternative Stoffe für das zu seiner Zeit so wichtige Holz zu finden. Nach dem Bundesministerium für Ernährung und Wirtschaft legte er so „den Grundstein für die deutsche Forstwirtschaft und das Prinzip des nachhaltigen Umgangs mit Rohstoffen.“ Das Bundeswaldgesetz, die Waldgesetze der Länder und der Grundsatz der Forstwirtschaft in Deutschland basieren unter anderem auf diesen über 300 Jahre alten Überlegungen von Hans Carl von Carlowitz. 

Nachhaltigkeit in Deutschland 

Und auch die Bundesregierung hat sich die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung zum Leitprinzip gemacht. So gibt es zum Beispiel einen Rat für nachhaltige Entwicklung und vor über 15 Jahren entstand die nationale Nachhaltigkeitsstrategie, die seitdem stetig weiterentwickelt wird. Der Fokus liegt dabei aber nicht nur auf der nachhaltigen Förderung der Forstwirtschaft, sondern auf den verschiedensten Bereichen. 17 globale Nachhaltigkeitsziele liegen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen zugrunde, Deutschland nutzt diese als Orientierung in Innen- und Außenpolitik. Sie lauten:

  1. Keine Armut 
  2. Kein Hunger
  3. Gesundheit und Wohlergehen
  4. Hochwertige Bildung
  5. Geschlechtergleichheit
  6. Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen
  7. Bezahlbare und saubere Energie
  8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  9. Industrie, Innovation und Infrastruktur
  10. Weniger Ungleichheiten
  11. Nachhaltige Städte und Gemeinden
  12. Nachhaltige/r Konsum und Produktion
  13. Maßnahmen zum Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser
  15. Leben an Land
  16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele 

Klar, kann man sich fragen, was nun zum Beispiel Gesundheit mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Darauf gibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) eine Antwort:  

„Gesundheit ist Voraussetzung, Ziel und Motor einer nachhaltigen Entwicklung. Doch etwa zwei von fünf Menschen weltweit haben keine Krankenversicherung. Immer noch sterben zu viele Menschen an vermeidbaren Krankheiten oder verlieren dadurch ihre Existenzgrundlage. Mit einer intakten Umwelt, guten Arbeitsbedingungen und leistungsfähigen Gesundheitssystemen kann es uns gelingen, diese Krankheiten bis 2030 zurückzudrängen.“ 

„Gesundheit ist Voraussetzung, Ziel und Motor einer nachhaltigen Entwicklung. Doch etwa zwei von fünf Menschen weltweit haben keine Krankenversicherung. Immer noch sterben zu viele Menschen an vermeidbaren Krankheiten oder verlieren dadurch ihre Existenzgrundlage. Mit einer intakten Umwelt, guten Arbeitsbedingungen und leistungsfähigen Gesundheitssystemen kann es uns gelingen, diese Krankheiten bis 2030 zurückzudrängen.“ 

Was können Unternehmen zur Nachhaltigkeit beitragen? 

Es wird also deutlich: Wir müssen Nachhaltigkeit weiterdenken. Deswegen kommt auch den Unternehmen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle zu – ganz egal, wie groß sie sind. Denn laut BMWK sind sie der Motor für neue und vor allem nachhaltige Strukturen, Verfahren und Produkte. Sogenannte Nachhaltigkeitsberichte verpflichten Unternehmen teilweise, ihre Strategien offen zu legen und auf Klimarisiken innerhalb ihrer Produktion hinzuweisen. Die Berichte werden anschließend von Abschlussprüfern kontrolliert. 

Es gibt bereits die unterschiedlichsten Ansätze, wie Unternehmen Nachhaltigkeit praktizieren. Viele Infos zu nachhaltigen Unternehmen finden Sie in unserer Rubrik „Go Green“. 

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