NYC und die immer gleiche Shopping-Frage

Dieses Mal macht liv.biz bei "Geschichten aus dem Einzelhandel" einen Ausflug nach New York. Fragen nach der Befindlichkeit gehören hier zum Verkaufskonzept, Antworten sind aber nicht unbedingt erwünscht.

12.05.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 4 Likes
Skyline von New York.

Skyline von New York. Foto: Pexels – unsplash.com

März 2010. Das Abi habe ich im vergangenen Jahr bestanden und jetzt soll es in die große weite Welt gehen: nach New York – mit meiner besten Freundin. „Überwältigend“ ist nur annähernd die passende Wortwahl, wenn man aus einer Kleinstadt im Big Apple landet. Überall unglaublich große Gebäude, überall Schatten, obwohl die Sonne scheint. Shoppen steht neben den üblichen Sightseeing-Punkten ganz oben auf der Liste. Schließlich gibt es hier Abercrombie & Fitch sowie die Tochtermarke Hollister – in Deutschland sind diese Marken noch nicht erhältlich. Deswegen ist klar: Wer Abercrombie & Fitch oder eben Hollister trägt, der war in Amerika – krass.

Abercrombie & Fitch und die Konfektionsgrößen

Ja, das war damals ein Riesending. Ich fand die Marken super – ohne das Wissen, dass das Unternehmen mich ein paar Jahre später aus seinem Kundenkreis ausschließen wird. Denn L beziehungsweise Größe 40 ist heute die Grenze des vertretbaren für Abercrombie & Fitch. Da der Schnitt der Hosen und Oberteile manchmal sehr eng ist, kann diese Größe bei dieser Marke für mich schon einmal eng werden. Aber generell entspricht diese Unternehmensphilosophie keinesfalls meiner Weltansicht.

Einseitige Kundenkommunikation erwünscht

Aber zurück in den März 2010. Wir riechen Abercrombie & Fitch schon weit vor dem eigentlichen Store. Ein Duftmarketing, was ein paar Jahre viele überzeugte – zwei 20-jährige Frauen alle Male. Halbnackte Surfer-Boys stehen vor der Ladentüre, drinnen bedienen hinzukommend halbnackte Frauen. Überwältigend. Mehr als das. Noch nie gesehen oder erlebt. Und dann fragt auch noch einer der durchtrainierten Männer: „Hey, how are you?“ Ich beginne ihm meine halbe Lebensgeschichte zu erzählen, aber er verschwindet und fragt die Nächste: „Hey, how are you?“ Ich mache mir zunächst nicht viel daraus, schließlich bin ich ja zum Shoppen hier – und das mache ich dann auch.

Abercrombie & Fitch ist aber nicht der einzige Laden, den wir besuchen. Immer wieder werde ich gefragt: „Hey, how are you?“ Nachdem im fünften Laden immer noch kein Gespräch mit der jeweiligen Person zustande kommt, ist es mir dann auch klar: Es handelt sich um eine Verkaufsmasche, beziehungsweise nutzen viele Amerikaner diese Floskel zur Begrüßung – ein tiefgründiges Gespräch will aber keiner. Eigentlich soll man sich genauso fühlen wie ich: willkommen und geborgen, wohlig und warm, damit man sich komfortabel genug fühlt, um viel Geld auszugeben.

Heute, 2022, kann ich es nicht leiden, wenn Verkäufer mich fragen, ob sie mir helfen können. In diesem Fall ist diese Anfrage zwar ernst gemeint, aber ich bin immer noch ein Stück weit gekränkt – weil sich damals niemand mit mir unterhalten wollte.

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