Schluss mit diskreten Menstruationsprodukten!

Menstruation ist real, auch wenn Menstruierende sie oft selbst verbergen wollen. Sie leiden still, verstecken Produkte zur Schmerzlinderung und reden nicht darüber. Das will femitale ändern – mit sichtbaren Produkten und offener Kommunikation. femitale-Gründerin Lisa-Maria Reisinger hat liv.biz im Interview verraten, wieso sie genug von diskreten Menstruationsprodukten hat.

01.06.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 4 Likes
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Drei Frauen tragen die verschiedenen Modelle der Periodenunterwäsche von femitale. Foto: femitale

Wie ist die Idee zu femitale entstanden?

Ich war damals 28 Jahre alt, als meine starken Unterleibsschmerzen ihren Höhepunkt erreicht haben. Ich litt schon länger unter heftigen Schmerzen, besonders während meiner Periode – am Ende sogar so sehr, dass ich acht Monate arbeitsunfähig war. Mit meiner Diagnose „Endometriose“ stellte ich dann fest, dass es ein großes Tabu war, über dieses Leid zu sprechen und öffentlich zu diskutieren. Und auch die Therapiemaßnahmen waren wenig vielversprechend – neben einer operativen Entfernung des Gewebes gab es kaum Maßnahmen, unterstützende Produkte oder Medikation, die helfen konnten. Daher nahm ich die Sache selbst in die Hand – die Idee rund um femitale, eine Wortschöpfung aus feminin und dem englischen tale (zu Deutsch Geschichten), ist entstanden.

Lisa-Maria Reisinger, Gründerin von femitale.

Lisa-Maria Reisinger, Gründerin von femitale. Foto: femitale

Wieso ist Menstruation immer noch ein Tabuthema?

Natürlich ist die ganze Tabuisierung der Frauengesundheit auf das Patriarchat zurückzuführen. Aber ich möchte das gar nicht so schwarzmalen – glücklicherweise ist ja gerade viel im Umbruch und das Thema nicht mehr so ein riesiges Tabu, wie es vor zehn Jahren noch war. Ich bin froh, dass es inzwischen einige Unternehmen gibt, die darüber sprechen und aufklären. Trotzdem gibt es noch viel zu tun – Themen wie Frauen in der Menopause und generell Frauen ab der Lebensmitte finden medial noch immer fast gar nicht statt. Auch hier versuchen wir unseren Beitrag zu leisten und möchten in Zukunft auch diesen Frauen mit femitale eine Anlaufstelle bieten.

Was muss passieren, damit Menstruation und die damit einhergehenden Schmerzen und Probleme besser verstanden werden?

Aufklärung und Kommunikation! Und damit meine ich natürlich auch uns Frauen: Ich habe genug von diskreten Menstruationsprodukten. Denn wir können nicht verlangen, verstanden und gesehen zu werden, wenn wir gleichzeitig versuchen, die Produkte, die unsere Beschwerden lindern sollen, zu verstecken. Daher ist meine oberste Priorität die femitale-Community, für die ich einen Raum für einen enttabuisierten Austausch schaffen möchte. Ich möchte allen Frauen, die Hilfe benötigen und immer noch nicht darüber sprechen können, mit femitale einen Ort bieten, an dem sie sich ungeniert mitteilen und austauschen können. Wir haben dafür eine femitale-Facebook-Gruppe, in der sich unsere Kundinnen zu allen Themen, die sie betreffen, austauschen können.

Was sagst du zu Menstruationsurlaub?

Ich finde es toll, dass die Frauengesundheit generell mehr Platz in der Gesellschaft bekommt. Menstruationsurlaub finde ich einen guten und wichtigen Schritt – denn einigen Frauen geht es wirklich nicht gut während ihrer Periode. Das muss man als Arbeitgeber genauso berücksichtigen wie andere Beschwerden. Wir bei femitale ermöglichen unseren Mitarbeiterinnen bei Bedarf ebenfalls Tage, an denen von der Couch oder dem Bett gearbeitet oder wirklich pausiert werden kann. Allerdings finde ich das Wort „Urlaub“ in diesem Zusammenhang irreführend und gerade für die männlichen Mitmenschen gefundenes Fressen, um der Thematik schon wieder nicht die Ernsthaftigkeit zu schenken, die sie verdient.

Was hältst du von der kostenlosen Bereitstellung von Menstruationsartikeln wie zum Beispiel in Schottland?

Auch das finde ich einen tollen Schritt in die richtige Richtung. Denn wie Toilettenpapier gehören eben auch Menstruationsartikel alle vier Wochen zu unserem Toilettengang. Ich finde das ein tolles Zeichen und würde mir wünschen, dass weitere Länder diesen Schritt gehen.

Wie wirken deine Produkte?

Alle femitale-Produkte habe ich zusammen mit meinem Team sorgsam und komplett nach den weiblichen Bedürfnissen entwickelt und hergestellt. Alle folgen den drei femitale-Versprechen: Funktionalität, „Powered by Empathy“ und Langlebigkeit & umweltfreundlich. Die femitale-Produkte wärmen, nähren, pflegen und stärken und bieten dem weiblichen Körper liebevoll Unterstützung in jeder Zyklusphase. Jedes femitale-Produkt sorgt für mehr Wohlbefinden und hat dabei seine individuelle Aufgabe. Unser neuestes Produkt beispielsweise heißt „Balanced Mood“ und ist ein Nahrungsergänzungsmittel, das bei PMS-bedingten Stimmungsschwankungen unterstützt und für mehr Ausgeglichenheit und emotionale Balance sorgt.

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Die Periodenunterwäsche von femitale gibt es in verschiedenen Farben. Foto: femitale
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Der Wärmeschal Classic Black hält die Wärmflasche dort, wo sie gebraucht wird. Foto: femitale
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Das BalancedMood Trinkgranulat reguliert den Hormonhaushalt und hilft gegen PMS-bedingte Stimmungsschwankungen. Foto: femitale
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Mit der Loungewear Dazzling Blue sitzt die Wärmflasche genau dort, wo Wärme benötigt wird. Foto: femitale

Auf welche Neuerscheinungen dürfen wir uns freuen?

Tatsächlich haben wir bereits super viele Produkt-Ideen in der Pipeline – einige davon werden wir noch dieses Jahr launchen. Gerade den Nahrungsergänzungsmittelmarkt finde ich persönlich super spannend und freue mich schon, unser Portfolio dahingehend weiter auszubauen. Außerdem werden wir dieses Jahr auch noch in Richtung Pflege gehen – hierzu kann ich dann mehr verraten, sobald wir soweit sind.

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