So liest Deutschland

Alltagsstress, Pandemie, politische Hiobsbotschaften: Hat Deutschland da überhaupt noch Zeit und Lust zu lesen? Ob Deutsche noch lesen und wenn ja was, erfahren Sie bei liv.biz.

08.05.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 3 Likes
Haben Sie in Ihrer Freizeit noch Lust zu lesen oder lesen Sie schon viel zu viel im Arbeitsalltag?

Haben Sie in Ihrer Freizeit noch Lust zu lesen oder lesen Sie schon viel zu viel im Arbeitsalltag? Foto: Sierra – unsplash.com

Lesen lernen wir in der Regel in der Grundschule, manche Kinder können das aber sogar schon vorher. Wenn wir klein sind, freuen wir uns über jedes Wort, das wir lesen können. Mit der Zeit lesen wir immer mehr. Während der Schulzeit sind es unzählige Deutsch-Lektüren, Bio-Bücher und Mathematik-Aufgaben. Wer studiert, liest schließlich noch mehr: Studien, Theorien und Präsentationen – das gilt auch für Auszubildende. Je nach dem, was man für einen Job hat, steigt das Lesevolumen immer weiter. Die eigentliche Freude am Lesen läuft hier Gefahr abzunehmen – und dabei ist das Lesen für Körper und Geist besonders wichtig. Aber wie ist das Leseverhalten in Deutschland? Sind wir Leseratten oder Lesemuffel?

Wer liest wie viel?

In Deutschland lesen laut einer Statista-Befragung von 2020 insgesamt 39 Prozent der befragten Kinder zwischen 6 und 13 Jahren mindestens einmal pro Woche ein gedrucktes Buch, 20 Prozent lesen sogar jeden Tag. „Nie“ wurde von 14 Prozent der Kinder beziehungsweise deren primären Erziehungspersonen angegeben.

Bei Menschen ab 14 Jahren sieht es im Zeitverlauf etwas anders aus: Der Anteil derer, die seltener und nicht jeden Monat lesen, hat von 2017 bis 2021 zugenommen. Laut einer Statista-Erhebung waren es 2017 noch knapp 28 Millionen, 2021 schon 31 Millionen. Etwa 13 Millionen lesen über diesen Zeitraum mehrmals wöchentlich ein Buch, täglich sind es zwischen 9,25 und 8,41 Millionen.

Was wird wenn gelesen?

Deutschland will beim Lesen unterhalten werden. Denn laut Statista macht die sogenannte Belletristik oder auch Unterhaltungsliteratur den größten Umsatz auf dem deutschen Buchmarkt ausmacht – mit einbezogen werden hier auch Kinder- und Jugendbücher. Zwischen 2005 und 2020 belief sich der Umsatz in dieser Sparte zwischen 4,1 und maximal 4,8 Milliarden Euro, zuletzt waren es 2020 4,7 Milliarden. Prophezeit wird eine kontinuierliche Abnahme bis 2025 auf 4,3 Milliarden Umsatz. Am beliebtesten sind hier übrigens Krimis und Thriller – 47 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männer gaben dieses Genre im Rahmen der Studie „Digital Reading on the rise“ von Simon-Kucher & Partners im September 2020 an.

Fach- und Sachbücher, hierzu zählen Reisebücher, Ratgeber und Sachbücher, machen hingegen einen deutlich geringeren Umsatz aus: Von 2 Milliarden bis maximal 3 Milliarden bewegte sich die Umsatzspanne im genannten Zeitraum, 2020 lag der Wert bei knapp 2,9 Milliarden Euro. Insgesamt waren die Umsätze in beiden Sparten leicht schwankend, für die Fach- und Sachliteratur wird aber bis 2025 im Vergleich zur Belletristik ein Umsatzwachstum prognostiziert: bis 2025 eine stetige Zunahme auf 3,5 Milliarden Euro.

Wie wird wenn gelesen?

Auch im Buchmarkt ist die Digitalisierung angekommen. Seit 2011 haben sich laut Statista die Umsätze von Büchern, E-Books und Hörbüchern im E-Commerce mehr als verdoppelt. Waren es 2011 noch 1,9 Milliarden Euro, waren es 2021 knapp 4,5 Milliarden – 2013 waren es sogar zwischenzeitlich 5 Milliarden Euro.

Die Anzahl der Buchkäufer hingegen bewegt sich insgesamt auf einem niedrigeren Niveau und ist hinzukommend rückläufig. 2008 gab es noch 34,5 Millionen Buchkäufer in Deutschland, 2021 waren es nur noch 28,4 Millionen. Von 2011 bis 2013 schien dieser Sturzflug wieder an Auftrieb zu gewinnen: In diesem Zeitraum gab es um die 36,5 Millionen Buchkäufer. Ebenfalls rückläufig ist die deutsche Buchproduktion. 2013 erschienen noch fast 82.000 Erstauflagen, 2020 nur noch knapp 69.200.

All in all

Kinder lesen viel, bei Erwachsenen nimmt die Häufigkeit im Zeitverlauf ab. Bevorzugt wird insbesondere Unterhaltungsliteratur, Thriller und Krimis sind besonders beliebt. Auf das gedruckte Buch scheinen immer weniger Leser Wert zu legen, digitale Versionen wie das E-Book laufen ihm den Rang ab.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Deutschland liest. Das ist ein sehr schöner und vor allem auch wichtiger Befund. Warum lesen für uns Menschen so wichtig ist, erfahren Sie im heutigen Nonfood-Wort zum Sonntag.

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