So macht man Karriere in der Elektro-Branche

Auch Elektro-Experte Özcan Karadogan hat einmal "klein" als Praktikant im Quelle-Einkaufsbüro in Istanbul angefangen. In "Insidernews by Karadogan" gibt er dieses Mal Tipps, wie man in der Elektro-Branche erfolgreich werden kann.

18.07.2022 Julia-Marie Schüßler 1 Kommentare 5 Likes
Özcan Karadogan als Praktikant im Quelle-Einkaufsbüro in Istanbul.

Özcan Karadogan als Praktikant im Quelle-Einkaufsbüro in Istanbul. Foto: Karadogan

Welche verschiedenen Berufe gibt es in der Elektro-Branche?

Grundsätzlich muss man sagen, dass man für die Elektro-Branche nicht unbedingt eine akademische Ausbildung braucht. Das heißt, man kann ganz klein anfangen und sich hoch arbeiten. Das geht in manchen Fällen sogar schneller als mit Studium.

Özcan Karadogan als Trainee bei Quelle im Bereich

Özcan Karadogan als Trainee bei Quelle im Bereich „neue Medien“ für die Produktion von Katalog auf CD-Rom (Vorgänger des Internethandels). Foto: Karadogan

Der stationäre Handel

Wenn man mit der Elektro-Branche die Consumer Electronics, Haushaltsgroßgeräte, IT-Produkte und Haushaltskleingeräte meint, dann gibt es drei Bereiche, in denen man sich beruflich entfalten kann: Da wäre zunächst einmal der stationäre Handel, der gar kein schlechter Anfang für eine berufliche Laufbahn in der Elektro-Branche ist. Ohne Studium kann man hier schon einmal als Verkäufer eine Ausbildung machen und sich danach hoch arbeiten – zum Abteilungsleiter oder Bereichsleiter. Grundsätzlich ist man hier dem Endkonsumenten am nächsten.

Der Vertrieb

Der nächste mögliche Startpunkt kann beim Hersteller oder einer Vertriebsfirma sein. Um ein guter Vertriebler zu werden, ist ein Einstieg als Produktmanager ideal. Hier lernt man, wie man ein Produkt entwickelt und sozusagen „an den Mann“ bringt. Vielerorts sehe ich fehlende Produkt-Kompetenz bei einigen Key Account Managern. Key Account Manager (KAM) ist auch die Vorstufe zum Sales Director, in dieser Funktion übernimmt man die Leitung von mehreren KAMs. Die nächste Beförderungsstufe ist dann der Geschäftsführer einer Vertriebsfirma, der dann das ganze Unternehmen, inklusive SCM, Buchhaltung und Service führt.

Der Einkauf

Das Pendant zum Vertrieb ist natürlich der Einkauf. Das sind die Einkaufsabteilungen von diversen Handelsketten und Einkaufskooperationen. Hier ist der Einstieg zum Beispiel über eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel möglich. Nach der Ausbildung ist die Vorstufe zum Einkäufer entweder Substitut oder Disponent. Danach besteht die Möglichkeit, Einkäufer oder ein sogenannter Zentral-Einkäufer zu werden (Neudeutsch: Category Manager). Auch hier besteht die Möglichkeit, die Hierarchieleiter als Abteilungs- oder Bereichsleiter zu besteigen.

Bei all diesen Varianten ist natürlich eine gewisse Affinität zu Elektro-Produkten von Vorteil. Das Schöne bei den hier erwähnten Produktgruppen ist, dass es Produkte für jedermann sind und jeder sich im privaten Umfeld schon einmal damit befasst hat.

Wie unterscheidet sich die Arbeit in der Elektro-Branche zur Arbeit in anderen Sektoren?

Wenn man einmal in einem der drei genannten Bereiche gearbeitet hat, bieten sich einem zahlreiche Job-Opportunities. Berufe in der Elektro-Branche sind nicht so abstrakt, wie manch andere. Jeder Mensch, den man kennt, hat mehrmals im Leben Berührung mit diesen Produkten gehabt.

Und wenn man einmal Einkauf und Vertrieb gelernt hat, dann ist es unwesentlich, ob man Fernsehgeräte, Automobile oder Möbelstücke verkauft. Kombiniert mit einem gewissen Kommunikationstalent und sozialer Kompetenz ergeben sich unzählige Karriere-Möglichkeiten. Und das macht die Elektro-Branche so interessant.

Wie wichtig ist Elektro für die Nonfood-Branche?

Elektro-Produkte sind nicht nur für die Nonfood-Branche wichtig, sondern auch in Kombination mit dem Food-Channel unverzichtbar. Zum einen sind attraktive Elektro-Produkte Frequenz-Bringer. Auf der anderen Seite sind Elektro-Produkte sowohl Impuls-Kauf-Produkte, als auch Ersatzkäufe. Daher sind Elektro-Produkte ein Muss im Nonfood-Bereich.

Gibt es einen Fachkräftemangel? Und wenn ja, welche Ausmaße hat dieser?

Ich sehe Fachkräfte-beziehungsweise Personalmängel aus den folgenden Gründen: Seit Jahren wird im stationären Handel massiv an Personal gespart, wodurch eine kompetente Beratung von Kunden vernachlässigt wird und die Konsumenten dadurch zum Onlinehandel gedrängt werden.

Hinzukommt die schlechte Bezahlung von Mitarbeitern auf dem Shop Floor, welche knapp über dem Mindestlohn liegt. Der Einzelhandelstarifvertrag ist, glaube ich, einer der Tarife mit den niedrigsten Löhnen. Daher sind diese Berufe für viele nicht mehr attraktiv. Gerade in der Pandemie hat man gesehen, welche Bären-Aufgabe die Arbeitenden im Einzelhandel geleistet haben – ebenso wie im Pflegebereich oder in der Logistik-Branche ist hier eine massive Verbesserung der Konditionen zwingend erforderlich.

Wie kann man junge Leute für die Elektro-Branche begeistern?

Wie schon eingangs beschrieben, bestehen in der Elektro-Branche interessante Berufs- und Karrieremöglichkeiten. Hier kann man sich von ganz unten nach ganz oben arbeiten. Und die Produkte, um die es hier geht, sind Jedermanns-Produkte.

Wie sehen Sie den Online-Handel?

Im europäischen Vergleich hat Deutschland bei neuen Technologien schon immer hinterher gehinkt – so auch beim Online-Handel. Nirgendwo ist der Anteil von Bar-Zahlungen so hoch wie in Deutschland. In Ländern wie zum Beispiel der Türkei wird auch der tägliche Einkauf – auch kleine Einkäufe – von Brot, Gemüse, Obst mit Kreditkarte bezahlt.

Auch das fehlende Vertrauen in den Internet-Handel in Deutschland ist sehr markant. Allerdings hat sich das durch die Pandemie schlagartig geändert, und der Online-Handel ist massiv gewachsen. Das muss aber nicht das Aus für den stationären Handel bedeuten. Man sollte das Ganze eher als eine Herausforderung sehen und die Konsumenten mit Differenzierungsmerkmalen gegenüber dem Online-Handel in die Geschäfte locken.

Zu guter Letzt bietet der Online-Handel natürlich auch eine Vielzahl von Berufen – auch mit dem Schwerpunkt auf Elektro-Produkten.

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Stefan
2 Monate zuvor

Super Einblicke, Herr Karadogan!