Tschüss Facebook!

Wie sieht die Werbewelt ohne Facebook und Instagram aus? liv.biz wagt einen Blick in die Nonfood-Zukunft.

17.03.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 1 Likes
Ein Schild mit der Aufschrift

Ein Schild mit der Aufschrift „Time to say goodbye“. Foto: Gerald – pixabay.com

Die Zukunft von Instagram und Facebook sieht in Europa aktuell sehr düster aus. Denn der Meta-Konzern, dessen Kopf Mark Zuckerberg ist und der hinter diesen bekannten sozialen Netzwerken steht, zieht eine Sperrung in Erwägung. Warum? Weil die Datenschutzrichtlinien einen Austausch von Nutzerdaten zwischen europäischen Ländern und den USA verbieten. Meta ist auf diese Daten angewiesen, Europa gefährdet also die Handlungsfähigkeit des Konzerns. 

Hallo neue, alte Welt!

Was würde es aber für die deutsche Nonfood-Branche bedeuten, wenn Meta in Europa die sozialen Schotten dicht macht? Fakt ist, Social Media boomt als Werbeplattform. Immer mehr Unternehmen steigen ein, sie nutzen Instagram und Facebook um vor allem jüngere Zielgruppen zu erreichen, Influencer-Marketing ist ein großes Thema. Wer im Gespräch bleiben will, braucht Social Media.  

Ohne Instagram und Facebook würden also große Werbeeinnahmen wegfallen. Was also tun? Eine Option ist natürlich: Back to the roots. Denn, wenn auch schwer vorstellbar, gab es mal eine Welt vor Mark Zuckerberg. Prospekte, Werbetafeln und TV-Werbung waren vor dem großen Facebook-Boom etwa im Jahr 2009 unverzichtbar. Und wenn keine sozialen Medien mehr vorhanden sind, werden sich auch die jüngeren Zielgruppen wieder neue oder eben alte Unterhaltungsmittel suchen. 

Influencer als TV-Gesichter

Klar ist aber, dass man hier neue Strategien auffahren muss. TV-Werbung muss sich speziell mit Themen auseinandersetzen, die eben solche Personen ansprechen. Derzeit hat man eher das Gefühl, dass mit der TV-Werbung vorrangig Erwachsene angesprochen werden sollen. Das ist nicht verwunderlich, da natürlich auch vorwiegend ältere Generationen zur Abendunterhaltung noch auf altbewährte Fernsehformate zurückgreifen. Insgesamt muss TV wieder attraktiver werden, um die gewünschten Personen zu erreichen. Und da Influencern in diesem Szenario eben auch viele Einnahmen fehlen, liegt die Lösung auf der Hand: Influencer als TV-Gesichter. Sie sind in gewisser Weise die Role Models dieser Generation und viele träumen sowieso davon Moderatoren, Models oder Schauspieler zu werden. Unternehmen könnten also in deren Ausbildung investieren, um sie später für sich zu nutzen. Werbung in Prospekten oder auf Plakaten können sie natürlich auch übernehmen. 

Viva und MTV sind wieder en vouge

Denkbar wäre auch das erneute Aufleben von Musiksendern wie Viva und MTV. Denn neben Influencern bleiben natürlich internationale Stars die Vorbilder schlechthin. Früher wurden Musikvideos von Beyonce, Britney Spears und Co. nicht nur genutzt, um deren Musik zu promoten. Durch gezielte Produktplatzierungen waren die Videos eine begehrte Werbeplattform. Fans wollten das tragen, was ihre Vorbilder trugen, alle großen Unternehmen wie zum Beispiel Nike und Coca Cola nutzten das Verlangen erfolgreich. Heute drehen Künstler zwar immer noch Musikvideos, sie haben aber schon lange nicht mehr den Stellenwert, den sie früher hatten. Kooperationen und eigene Ware bewerben läuft für Stars nämlich auch hervorragend über Instagram und Facebook. 

Netflix und die Werbung

Streamingdienste oder Mediatheken werden aber auch dann noch existieren, wenn es Instagram und Facebook nicht mehr gibt. Ursprünglich als Erweiterung zum TV-Programm gedacht, sind sie mittlerweile wohl eher als Konkurrenz zu sehen. Einschaltquoten sinken, da insbesondere Jüngere, wenn überhaupt, bestimmte Formate lieber on demand schauen. Und bei Streamingangeboten gibt es einen Knackpunkt: Netflix verzichtet per se auf Werbung und bei allen anderen zahlungspflichtigen Streamingdiensten ist die Werbung deutlich reduziert. Denn keiner will Werbung sehen, wenn er monatlich einen Betrag von um die fünf Euro bezahlt. Hier müsste also ein Umdenken stattfinden. Der Vorzug Serien und Filme dann zu sehen, wann man möchte, hat seinen Preis. Und der ist vielleicht dann gar nicht mehr ein monatlicher Beitrag, sondern eben Werbung – eben so, wie es früher einmal war. 

Wir halten fest …

Wenn Mark Zuckerberg ernst macht, könnten die klassischen Werbemittel einen zweiten Frühling erleben. Das funktioniert durch Influencer, nationale und internationale Stars, kurz: Testimonials. Auch Streamingdienste müssten wieder auf Werbung setzen, dafür aber andere Vorzüge für Nutzer schaffen. Auch Zeitungsanzeigen würden wieder an Bedeutung gewinnen, so wie das Medium an sich. Instagram und Facebook würden nicht mehr als Informationsquelle dienen, Journalismus erhielte einen neuen Stellenwert.  

Social Media ist nicht nur Instagram und Facebook

Was wir allerdings nicht vergessen dürfen: Auch wenn Social Media meist mit den großen Namen Instagram, Facebook oder auch WhatsApp einhergeht, sind das längst nicht alle sozialen Medien, die es so auf dem Markt gibt. Snapchat, TikTok und Telegram werden beispielsweise weiter existieren. Snapchat und TikTok sind durch ihre Handhabung sehr speziell und bergen so ihre Schwierigkeiten für Webetreibende, Anzeigen kann man aber natürlich trotzdem schalten. Oder aber bei TikTok zum Beispiel durch Produktplatzierungen. Telegram funktioniert hingegen ähnlich wie Instagram und Facebook, sein Ruf eilt ihm aber voraus. Querdenker wie Attila Hildmann und Michael Wendler nutzten und nutzen das soziale Medium zur Verbreitung ihres Gedankengut. Dadurch hat es an Attraktivität für Werbetreibende verloren. 

Facebook und Instagram bleiben somit wichtige soziale Netzwerke, deren Wegfall weitreichende Konsequenzen hätte. Auf der anderen Seite würde so ein frischer Wind in der Werbewelt aufkommen, der Neues und Altes mit sich bringen würde. 

Likes

Teilen

0 Kommentare

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments