Upcycling meets Modebranche

Schnittdesignerin Ellen Remiger und Modedesignerin Hannah Fenger bringen die Nachhaltigkeit in der Modebranche auf ein neues Level: Mit Stoffresten aus der Sommerkollektion haben sie kurzerhand eine "Schnipseljacke" kreiert. Wie das funktioniert und ob wir uns zukünftig über eine ganze Upcycling-Kollektion beim Moerser Modelabel Anfenger freuen dürfen, verraten die beiden im liv.biz-Doppel-Interview.

01.07.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 3 Likes
Schnittdesignerin Ellen Remiger und Modedesignerin Hannah Fenger.

Schnittdesignerin Ellen Remiger und Modedesignerin Hannah Fenger. Foto: Ellen Remiger/Hannah Fenger

Wie geht Upcycling in der Modebranche?

Ellen: Beim Upcycling fertigt man aus gebrauchten Kleidungsstücken neue Kreationen. Da kann aus einer alten Jeans zum Beispiel ein Oberteil entstehen. Vor allem Secondhand-Kleidungsstücke oder Aussortiertes eignen sich gut dafür. Aus Altem entsteht Neues. Es sind der Fantasie dabei keine Grenzen gesetzt. Dafür können Nähte aufgetrennt oder Teile auseinandergeschnitten werden. Es können auch mehrere Kleidungsstücke miteinander kombiniert werden. Die Fertigung der „Schnipseljacke“ ist noch einmal anders.

Wie ist die Idee zur Upcycling-Jacke entstanden?

Hannah: Nach Fertigstellung meiner aktuellen Sommerkollektion waren wie üblich einige Stoffreste übrig. Ellen hatte dann die grandiose Idee für die „Schnipseljacke“.

Ellen: Die Fertigung beziehungsweise den Stoffverbrauch bei Bekleidung kann man sich in etwa wie beim Plätzchenbacken vorstellen. Bei jedem Ausstechen bleiben außerhalb der Form Reste übrig. So auch beim Zuschnitt der Stoffe. Dabei liegen sogar mehrere Lagen Stoff übereinander und die Reste können dann nicht mehr verwendet werden. Die bei Marion Hallen im Atelier in Mainburg gefertigte Sommerkollektion von Hannah war so farbenfroh, dass ich es zu schade fand, diese einfach zu entsorgen. Sofort fragte ich Hannah, ob ich die Stoffreste nicht für eine Jacke verwenden dürfte. Sie war gleich begeistert und so kam die Sache in’s Rollen.

Wie wurde sie hergestellt, wie lange hat es gedauert?

Ellen: Für die Fertigung der Jacke habe ich zunächst die Stoffreste in Schnipsel zerkleinert, um sie dann als Füllung für die Steppjacke zu verwenden. Damit die wunderschönen Farben der Schnipsel auch sichtbar sind, habe ich für die Außenschicht einen transparenten Stoff verwendet. Die Herstellung der Jacke dauerte 22 Stunden.

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Upcycling-Jacke by Anfenger x SchnittdesignER Vol. 1

Ist die Jacke ein Unikat oder gibt es mehrere Stücke?

Ellen: Da die Anordnung der Schnipsel immer anders ist, handelt es sich bei jeder Jacke um ein Unikat. Nachdem die erste Jacke fertig war, waren wir so begeistert, dass ich mich gleich an die nächste gesetzt habe. Neben neuen Farben hat diese auch einen etwas anderen Schnitt.

Hannah: Wieder ein echtes Liebhaberstück. Bei der ersten Jacke handelte es sich um Stoffreste meiner blauen und grünen Overalls. Für die zweite hat Ellen die Stoffreste meiner Röcke und Tops in pink und blau verwendet. Ich freue mich schon sehr, sie im Laden präsentieren zu können.

Die Upcycling-Jacke von Anfenger und SchnittdesignER besteht aus Stoffresten der Anfenger-Sommerkollektion. Fotos: Hannah Fenger

Wie teuer ist die Upcycling-Jacke?

Hannah: Die Jacke wird sowohl in meinem Onlineshop verfügbar sein, als auch in meinem Laden in Moers. Sie liegt preislich bei 799 Euro.

Wird es in Zukunft noch weitere Upcycling-Stücke geben?

Ellen: Wir sind jetzt Feuer und Flamme. Das erste Feedback war bereits so überwältigend, sodass wir auch zukünftig die Reststoffe verwenden und neue Styles kreieren wollen.

Hannah: Es werden besondere Einzelstücke bleiben und die Fertigung ist sehr arbeitsintensiv, sodass nicht jede Woche ein weiteres Stück in den Laden wandert. Aber genau das passt auch wieder zu unserem Ansatz der Slow Fashion.

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Upcycling-Jacke by Anfenger x SchnittdesignER Vol. 2

Wäre nicht eine ganze Kollektion eine Idee?

Ellen: Langfristig ist es eine schöne Idee. Momentan beschränken wir uns jedoch auf Einzelstücke, da wir die vorhandenen Ressourcen verwenden wollen.

Hannah: Das Schöne ist natürlich, dass die Teile super zu meinen Kollektionen harmonieren, da sie ja aus den Resten der bereits produzierten Bekleidungsstücke hergestellt werden. Besonders stolz sind wir darauf, dass auch diese Stücke „Made in Germany“ sind.

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