Wer den Füller nicht ehrt …

Passend zum Schulstart in NRW am 10. August recyceln wir einen individuellen Lebenslauf der Schreibwaren aus dem liv.biz-Archiv. liv.biz-Autorin Julia-Marie Schüßler hat Bleistift, Füller und Co. in unterschiedlichen Lebensphasen verwendet. Ihr Resümee gibt's auf liv.biz.

15.03.2022 Julia-Marie Schüßler 0 Kommentare 4 Likes
Bleistift, Kugelschreiber und Co. – wann brauchen wir welches Schreibwerkzeug?

Bleistift, Kugelschreiber und Co. – wann brauchen wir welches Schreibwerkzeug? Foto: stokpic – pixabay.com

Als vorbildliches Kindergarten-Kind habe ich meinen Eltern früher regelmäßig eine Freude gemacht, denn es gab für mich nur eine Mission: Bunte Bilder malen. Erwachsene haben es perfektioniert, dem Kind bei jedem neuen Kunstwerk gleichbleibende Bewunderung entgegenzubringen. Und so kann irgendwann jeder Elternteil eine eigene Kunstgalerie mit den Werken des eigenen Kindes eröffnen – haben meine nie gemacht, traurig. Und dabei habe ich vollen Einsatz gezeigt – natürlich auch bei der Wahl der Stifte: Wachs- und Buntstifte in jeglicher Farbe. An Filzstifte habe ich mich erst etwas später herangetraut. Noch heute überkommt mich ein leichter Schauer, wenn ich an diese Stifte denke. Ich habe Angst, Angst davor mich einzusauen. Haben Filzstifte doch ein Riesenpotenzial jeden Finger samt Fingernagel und im schlimmsten Fall auch jedes Kleidungsstück zu verzieren.  

Bleistift von Lamy, Füller von Pelikan

So richtig ums Schreiben, wonach Schreibwaren letztendlich auch benannt werden, ging es in der Grundschule. Ich hatte einen Scout-Tornister – in schwarz, mit Lollies. Das war so gar nicht Mainstream für ein Mädchen 1996. Mainstream war aber auf jeden Fall meine Schreib-Ausrüstung – kein Wunder, wurde sie damals sogar weitestgehend von der Schule vorgegeben. Ganz besonders erinnere ich mich an meinen Lamy Schreiblernstift, ein Bleistift, bei dem man die Miene nachfüllen konnte. Einen Füller, für den Schönschreibe-Unterricht hatte ich hingegen von Pelikan – von Pelikan musste übrigens auch der Kasten mit Wassermalfarben sein.  

Kugelschreiber sind cool

Die altbewährten Produkte kamen schließlich auch auf der weiterführenden Schule zum Einsatz, zumindest bis zur Oberstufe. Von da an war man cool. Die Lehrer begannen einen zu siezen, da konnte man unmöglich noch den alten Füller benutzen. Der hatte zumindest für mich auch zwei entscheidende Nachteile: Auch hiermit habe ich es regelmäßig geschafft, mich einzusauen, vor allem wenn die Patrone auslief. Und, viel wichtiger: In der Oberstufe wurde ich zum Romanschreiber. Besonders in Deutschklausuren konnte es passieren, dass ich fünf Bögen à vier Seiten vollgeschrieben habe. Ein Füller ist mit seiner Feder an dieser Stelle einfach zu langsam. Deshalb kam der überaus coole Kugelschreiber zum Einsatz – der war meistens noch nicht einmal von irgendeiner Marke, sondern ein Werbegeschenk. Nachhaltig war das sicherlich nicht.

In der Uni begegnete mir schließlich der Pilot Frixion Tintenroller. Ein super verrücktes Teil, was wie ein Kugelschreiber funktioniert, aber wegradiert werden kann. Ein großes Manko des Kugelschreibers war damit auch noch buchstäblich ausradiert, so kann man Tinte zumindest mit einem Tintenkiller entfernen. Außerdem gab beziehungsweise gibt es für diesen Tintenroller Nachfüllpatronen. Aber es kam, wie es kommen musste: Eines Tages waren keine Nachfüllpatronen im Haus, der Kulli bot sich an, lag wieder zwischen Zeige-und Mittelfinger, seine nachhaltige und praktische Variante war vergessen. Unzählige Werbegeschenke durften sich seitdem in Notizen und Klausuren verewigen. 

Ist die Handschrift bald passé?

Heute gibt es manchmal Wochen, in denen ich fast gar nichts schreibe – zumindest mit einem Stift. Denn natürlich schreibe auch ich jetzt die meiste Zeit auf dem Laptop. Wichtige Dinge notiere ich aber immer noch mit der Hand, so kann ich sie mir besser merken. Hierfür benutze ich gerne die verschiedensten Fineliner von Stabilo. Auch Glückwunschkarten beschrifte ich noch manuell, hier soll es meistens ein schwarzer Kugelschreiber sein. Einen Füller hatte ich schon lange nicht mehr in der Hand. Womit wir früher das Schreiben lernten, hat zu einem späteren Zeitpunkt in unserem Leben kaum noch Bedeutung. Wird es irgendwann so sein, dass man auch das Schreiben vielleicht gar nicht mehr mit Stift und Füller lernt? 

Die aktuellen Umsatzzahlen einschlägiger Marken geben zumindest einen kleinen Grund zur Sorge: So ist laut Statista der weltweite Umsatz von Pelikan/Herlitz seit 2017 stetig gesunken – und zwar von knapp 244 Millionen Euro auf 219,3 Millionen Euro im Jahr 2019. Bei Lamy stieg der weltweite Umsatz zunächst von 2009 bis 2017 von rund 46 Millionen Euro auf 130 Millionen Euro. Ab 2017 sank aber auch bei Lamy der Umsatz stetig, 2019 waren es noch 108 Millionen Euro. Auch Schwan-Stabilo hat seit 2016/2017 sinkende Umsatzzahlen weltweit zu verbuchen. Von rund 713, 5 Millionen Euro sind es 2019/2020 noch rund 610 Millionen Euro.  

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